
Ein Vermögen von 200.000 € mit 500 € monatlich ist kein Lottogewinn, sondern das Ergebnis eines disziplinierten, automatisierten Systems, das speziell für den deutschen Markt optimiert ist.
- Automatisierung durch einen ETF-Sparplan eliminiert die Notwendigkeit von Willenskraft und emotionalen Entscheidungen.
- Ein früher Start ist wichtiger als eine hohe Sparrate, da der Zinseszinseffekt über Jahrzehnte exponentiell wirkt.
- Die strategische Nutzung deutscher Steuervorteile wie der Teilfreistellung ist ein entscheidender Hebel für die Nettorendite.
Empfehlung: Richten Sie noch heute einen automatisierten ETF-Sparplan ein und konzentrieren Sie sich auf die Beständigkeit des Systems, nicht auf tägliche Kursschwankungen.
Der Gedanke, aus einem durchschnittlichen Gehalt heraus ein substanzielles Vermögen aufzubauen, fühlt sich für viele Angestellte in Deutschland wie eine ferne Utopie an. Die monatlichen Ausgaben sind hoch, die Zukunft unsicher und der Aktienmarkt scheint ein komplexes Terrain für Experten zu sein. Man liest von Zinseszinsen, ETFs und Disziplin, aber die konkrete Umsetzung im Alltag scheint oft überwältigend. Wie soll man aus 500 Euro im Monat eine Summe machen, die wirklich einen Unterschied für die finanzielle Unabhängigkeit bedeutet?
Die üblichen Ratschläge – „einfach anfangen“ oder „diszipliniert bleiben“ – sind zwar richtig, greifen aber zu kurz. Sie ignorieren die größte Hürde: unsere eigene Psychologie und die Komplexität des Alltags. Die wahre Herausforderung ist nicht, die beste Aktie zu finden, sondern ein System zu errichten, das für uns arbeitet, ohne dass wir täglich darüber nachdenken müssen. Ein System, das uns vor emotionalen Fehlentscheidungen in Krisenzeiten schützt und die spezifischen Gegebenheiten des deutschen Steuersystems zu unserem Vorteil nutzt.
Doch was, wenn der Schlüssel zum Erfolg nicht in übermenschlicher Willenskraft liegt, sondern im Aufbau einer intelligenten, automatisierten Vermögensmaschine? Dieser Artikel zeigt nicht nur, dass das Ziel von 200.000 Euro in 20 Jahren realistisch ist. Er liefert einen detaillierten Bauplan für ein solches System. Wir werden die entscheidende Rolle des Faktors Zeit beleuchten, die Mechanik der Automatisierung auf dem deutschen Markt erklären und die psychologischen Fallstricke aufzeigen, die es zu umgehen gilt. Es geht darum, eine Strategie zu entwickeln, die so robust ist, dass sie auch dann funktioniert, wenn das Leben dazwischenkommt.
Für diejenigen, die einen visuellen Überblick bevorzugen, fasst das folgende Video die steuerlichen Unterschiede zwischen gängigen Anlageformen in Deutschland zusammen und ergänzt die strategischen Überlegungen dieses Leitfadens.
Um Ihnen eine klare Struktur für den Aufbau Ihres Vermögensplans zu geben, haben wir diesen Leitfaden in acht logische Schritte unterteilt. Jeder Abschnitt baut auf dem vorherigen auf, von den grundlegenden Prinzipien bis hin zu fortgeschrittenen Strategien für den langfristigen Schutz Ihres Kapitals.
Inhaltsverzeichnis: Der systematische Weg zu Ihrem 200.000-Euro-Ziel
- Warum 200 € monatlich ab 25 Jahren mehr bringen als 800 € ab 45 Jahren?
- Wie Sie einen automatischen Sparplan einrichten, der ohne Willenskraft 500 € monatlich investiert?
- 4% oder 8% Rendite: Wie viel Unterschied macht das nach 20 Jahren wirklich?
- Der psychologische Fehler, der 60% aller Sparpläne nach einem halben Jahr beendet
- Wann Sparrate erhöhen: Nach jeder Gehaltserhöhung oder in festen Intervallen?
- Wie Sie mit 5.000 € ein ausgewogenes Startportfolio in 4 Wochen aufbauen?
- Wie Sie Ihre Anlagestrategie alle 15 Jahre an neue Lebensphasen anpassen?
- Wie Sie Ihr Vermögen gegen Inflation und Krisen über 30 Jahre schützen
Warum 200 € monatlich ab 25 Jahren mehr bringen als 800 € ab 45 Jahren?
Das mächtigste Werkzeug beim Vermögensaufbau ist nicht die Höhe der Sparrate, sondern die Zeit. Dieses Prinzip, bekannt als der Zinseszinseffekt, ist der Grund, warum ein früher Start selbst mit kleinen Beträgen unschätzbar wertvoll ist. Stellen Sie sich den Zinseszins wie einen Schneeball vor: Je länger er den Berg hinabrollt, desto mehr Schnee sammelt er an und desto schneller wächst er – exponentiell. Jeder Euro, den Sie heute investieren, hat Jahrzehnte Zeit, um für Sie zu arbeiten, Renditen zu erwirtschaften, die wiederum Renditen erwirtschaften.
Ein 25-Jähriger, der 200 Euro monatlich anlegt, hat 20 Jahre mehr Zeit als ein 45-Jähriger. In diesen zwei Jahrzehnten kann das Kapital in Ruhe wachsen und von allen Marktschwankungen profitieren. Selbst wenn der 45-Jährige mit 800 Euro die vierfache Summe investiert, kann er diesen Zeitvorsprung kaum aufholen. Die ersten Jahre des Anlegens sind die wichtigsten, da sie das Fundament legen, auf dem das gesamte zukünftige Vermögen aufbaut.
Die Zahlen sind beeindruckend: Während unser Ziel ein 20-Jahres-Horizont ist, zeigen Berechnungen, dass selbst kleinere Beträge über sehr lange Zeiträume enorme Summen generieren können. So können sich 100 € monatlich über 40 Jahre bei einer angenommenen durchschnittlichen Rendite auf ein Endkapital von 148.856 € summieren. Dies verdeutlicht, dass nicht der einmalige große Wurf, sondern die langfristige, stetige Einzahlung der entscheidende Erfolgsfaktor ist. Der größte Fehler ist daher nicht, zu wenig zu sparen, sondern zu spät damit anzufangen.
Wie Sie einen automatischen Sparplan einrichten, der ohne Willenskraft 500 € monatlich investiert?
Die Antwort auf mangelnde Disziplin ist nicht mehr Willenskraft, sondern ein besseres System. Ein automatisierter ETF-Sparplan ist die technologische Lösung für dieses zutiefst menschliche Problem. Anstatt sich jeden Monat aktiv zum Sparen und Investieren überwinden zu müssen, richten Sie einmalig einen Dauerauftrag ein, der die gewünschte Summe – beispielsweise 500 Euro – von Ihrem Gehaltskonto auf Ihr Depot überweist und automatisch in die von Ihnen gewählten ETFs investiert.
Dieser Ansatz des „Systemdenkens“ hat zwei entscheidende Vorteile. Erstens entkoppelt er die Spar-Entscheidung von Ihrer emotionalen Verfassung. Ob der Markt gerade steigt oder fällt, ob Sie einen guten oder schlechten Monat haben – die Maschine arbeitet weiter. Zweitens nutzen Sie den sogenannten Cost-Average-Effekt: Bei gleichbleibender Sparrate kaufen Sie automatisch mehr Anteile, wenn die Kurse niedrig sind, und weniger, wenn sie hoch sind. Über die Jahre optimiert dies Ihren durchschnittlichen Einstiegskurs, ohne dass Sie versuchen müssen, den Markt zu timen.
Praxisbeispiel: Der Cost-Average-Effekt
Bei gleichbleibenden Sparraten kaufen Anleger automatisch bei niedrigen Kursen mehr und bei hohen Kursen weniger Anteile. Dieser Cost-Average-Effekt optimiert den durchschnittlichen Einstiegskurs über die Zeit. Anleger, die diesen Mechanismus konsequent nutzen, profitieren, ohne aktives Timing betreiben zu müssen, was eine der häufigsten Fehlerquellen für Privatanleger eliminiert.
Die Einrichtung ist in Deutschland dank moderner Online-Broker wie Scalable Capital oder Trade Republic denkbar einfach und oft schon ab 1 Euro Sparrate möglich. Die meisten Broker bieten eine breite Palette an kostenlosen ETF-Sparplänen an. Der Schlüssel ist, den Sparplan so einzurichten, dass er kurz nach dem Gehaltseingang ausgeführt wird. So wird das Geld investiert, bevor es für andere Konsumausgaben zur Verfügung steht.
Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über einige beliebte Broker in Deutschland und ihre Konditionen für automatisierte Sparpläne, wie sie in einer Analyse von justETF verglichen werden.
| Broker | Mindestsparrate | Kostenlose ETF-Sparpläne | Ausführungstage | Automatisierung |
|---|---|---|---|---|
| Scalable Capital | 1€ | Alle ETFs | 1., 4., 7., 10., 13., 16., 19., 22., 25. | Vollautomatisch |
| Trade Republic | 10€ | Alle ETFs | 2x monatlich | App-basiert automatisch |
| ING | 1€ | Aktions-ETFs | 1., 15. | Online-Banking Integration |
| Comdirect | 25€ | 135+ ETFs | 1., 7., 15., 23. | Klassische Automatisierung |
4% oder 8% Rendite: Wie viel Unterschied macht das nach 20 Jahren wirklich?
Die erwartete Rendite ist der Motor Ihres Vermögensaufbaus. Schon wenige Prozentpunkte Unterschied pro Jahr haben über einen langen Zeitraum eine gewaltige Auswirkung auf Ihr Endkapital. Während eine Rendite von 4 % pro Jahr als konservativ gilt und oft mit sichereren Anlagen wie Anleihen-ETFs in Verbindung gebracht wird, sind 7-8 % eine historisch realistische Annahme für ein breit gestreutes, weltweites Aktien-ETF-Portfolio. Der Unterschied zwischen diesen Szenarien ist nach 20 Jahren enorm.
Doch die Brutto-Rendite ist nur die halbe Wahrheit, besonders in Deutschland. Gewinne aus Kapitalanlagen unterliegen der Abgeltungsteuer (zuzüglich Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer). Hier kommt eine wichtige Besonderheit des deutschen Steuerrechts ins Spiel: die Teilfreistellung für Aktienfonds. Um die Doppelbesteuerung von Unternehmensgewinnen zu mildern, profitieren Anleger dank der Teilfreistellung von 30 % bei Aktien-ETFs. Das bedeutet, nur 70 % Ihrer Gewinne sind überhaupt steuerpflichtig, was die Nettorendite spürbar erhöht.
Die folgende Tabelle, basierend auf Daten und Berechnungen wie sie von Portalen wie Finanztip angestellt werden, verdeutlicht den massiven Unterschied, den die Rendite nach 20 Jahren bei einer Sparrate von 500 € ausmacht, und berücksichtigt dabei bereits die Abgeltungsteuer. Die Zahlen sind als Näherungswerte zu verstehen, da die genaue Steuerlast von vielen Faktoren abhängt.
| Szenario | Rendite p.a. | Endkapital vor Steuern | Endkapital nach Steuern (ca.) |
|---|---|---|---|
| Konservativ | 4% | 183.000€ | 160.000€ |
| Ausgewogen | 6% | 232.000€ | 195.000€ |
| Chancenorientiert | 8% | 297.000€ | 240.000€ |
Es wird deutlich: Das Ziel von 200.000 Euro ist im ausgewogenen Szenario bereits in Reichweite. Mit einer chancenorientierten Strategie wird es sogar deutlich übertroffen. Die Wahl der Anlagestrategie ist also eine direkte Entscheidung über das potenzielle Endvermögen.
Der psychologische Fehler, der 60% aller Sparpläne nach einem halben Jahr beendet
Das robusteste System ist nutzlos, wenn wir es bei den ersten Schwierigkeiten sabotieren. Der größte Feind des langfristigen Anlegers ist nicht der Markt, sondern die eigene Psyche. Studien und Beobachtungen aus der Verhaltensökonomie zeigen, dass ein Großteil der Anleger dazu neigt, in Panik zu verkaufen, wenn die Märkte fallen, und euphorisch zu kaufen, wenn die Kurse hoch sind – das exakte Gegenteil einer erfolgreichen Strategie. Dieser Drang, „etwas tun zu müssen“ (Action Bias), und die überproportionale Angst vor Verlusten (Loss Aversion) führen dazu, dass viele Sparpläne frühzeitig beendet werden.
Besonders in den ersten Monaten, wenn das investierte Kapital noch überschaubar ist, sind Anleger anfällig. Ein Markteinbruch von 20 % fühlt sich schmerzhaft an und der Impuls, den „Fehler“ rückgängig zu machen und den Sparplan zu stoppen, ist stark. Genau hier muss das Systemdenken greifen: Ein automatisierter Sparplan, der stur weiterläuft, nutzt genau diese günstigen Kurse, um mehr Anteile zu erwerben. Wer hier die Nerven behält und weitermacht, legt den Grundstein für überdurchschnittliche Renditen, wenn sich die Märkte erholen.

Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, sich auf solche Phasen mental vorzubereiten. Es geht nicht darum, keine Angst zu haben, sondern darum, einen Plan für den Umgang mit dieser Angst zu haben. Ein persönliches Investment-Statement, das die eigenen langfristigen Ziele festhält, kann in turbulenten Zeiten ein wertvoller Anker sein. Es erinnert Sie daran, warum Sie diesen Weg begonnen haben und dass kurzfristige Schwankungen für Ihr 20-Jahres-Ziel irrelevant sind.
Ihre Wenn-Dann-Checkliste für Marktkrisen
- WENN der Markt um 20% fällt, DANN: Loggen Sie sich für 7 Tage nicht in Ihr Depot ein, um Kurzschlussreaktionen zu vermeiden.
- WENN Panik aufkommt, DANN: Lesen Sie Ihr persönliches Investment-Statement und erinnern Sie sich an Ihre langfristigen Ziele.
- WENN die Kurse fallen und Sie über freie Mittel verfügen, DANN: Erhöhen Sie Ihre Sparrate einmalig, um den Cost-Average-Effekt optimal zu nutzen.
- WENN die Medien einen Crash ausrufen, DANN: Aktivieren Sie Ihre Langfrist-Perspektive und ignorieren Sie den Lärm.
- WENN die Verluste im Depot schmerzen, DANN: Führen Sie sich vor Augen, dass Sie günstigere Anteile kaufen und der Sparplan genau jetzt seine Stärke ausspielt.
Wann Sparrate erhöhen: Nach jeder Gehaltserhöhung oder in festen Intervallen?
Ein einmal eingerichteter Sparplan ist ein hervorragender Start, doch für maximalen Erfolg sollte die Sparrate mit der Zeit wachsen. Die Frage ist nur: nach welchem System? Es gibt zwei bewährte Ansätze, die sich ideal kombinieren lassen, um einen dynamischen und gleichzeitig disziplinierten Erhöhungsrhythmus zu schaffen.
Der erste Ansatz ist die ereignisbasierte Erhöhung. Die beste Gelegenheit hierfür ist eine Gehaltserhöhung oder ein Bonus. Der psychologische Trick besteht darin, einen festen Prozentsatz (z. B. 50 %) der Netto-Gehaltserhöhung direkt in die Erhöhung der Sparrate zu leiten. Wenn Ihr Gehalt also um 100 Euro netto pro Monat steigt, erhöhen Sie Ihren Sparplan sofort um 50 Euro. Der Vorteil: Sie spüren die Erhöhung auf dem Konto immer noch positiv (die restlichen 50 Euro), verhindern aber die sogenannte „Lifestyle-Inflation“ – also die Tendenz, dass die Ausgaben mit dem Einkommen steigen und am Ende des Monats nichts zusätzlich übrig bleibt.
Der zweite Ansatz ist die intervallbasierte Erhöhung. Hier legen Sie fest, Ihre Sparrate in einem festen Rhythmus, zum Beispiel jedes Jahr im Januar, um einen bestimmten Betrag oder Prozentsatz zu erhöhen (z. B. um 25 Euro oder 5 %). Dies schafft eine berechenbare Dynamik und stellt sicher, dass Ihre Sparleistung auch dann wächst, wenn keine Gehaltserhöhung ansteht. Dieser Ansatz hilft auch, die Inflation auszugleichen und die reale Sparleistung konstant zu halten.
Die Kombination beider Methoden schafft ein robustes System: eine jährliche, planmäßige Basis-Erhöhung, die durch außerplanmäßige Sprünge nach Gehaltserhöhungen ergänzt wird. So beschleunigen Sie Ihren Vermögensaufbau systematisch, ohne Ihre aktuelle Lebensqualität drastisch einschränken zu müssen. Der Schlüssel liegt auch hier in der Automatisierung: Passen Sie den Dauerauftrag sofort an, wenn das Ereignis (Gehaltserhöhung) eintritt oder das Intervall (Jahresanfang) erreicht ist.
Wie Sie mit 5.000 € ein ausgewogenes Startportfolio in 4 Wochen aufbauen?
Neben einem monatlichen Sparplan stellt sich oft die Frage, wie man eine bereits vorhandene Summe, wie zum Beispiel 5.000 Euro, sinnvoll anlegt. Die Prinzipien sind die gleichen wie beim Sparplan: breite Diversifikation, niedrige Kosten und eine langfristige Perspektive. Der Unterschied liegt in der Umsetzung. Anstatt die Summe auf einmal zu investieren (Lump-Sum-Investment), kann es psychologisch einfacher sein, sie über einen kurzen Zeitraum von einigen Wochen oder Monaten in Tranchen zu investieren, um das Risiko eines ungünstigen Einstiegszeitpunkts zu streuen.
Ein bewährtes Startportfolio für Einsteiger in Deutschland ist die sogenannte 70/30-Aufteilung. Dabei werden 70 % des Kapitals in einen ETF investiert, der den MSCI World Index abbildet. Dieser Index enthält über 1.500 Unternehmen aus 23 Industrieländern und bietet damit eine extrem breite globale Streuung. Die restlichen 30 % fließen in einen ETF auf den MSCI Emerging Markets Index, der Unternehmen aus rund 25 Schwellenländern wie China, Indien und Brasilien abdeckt. Diese Kombination sorgt für eine ausgewogene globale Abdeckung und ein gutes Rendite-Risiko-Verhältnis.
Für Anleger, die ihrem Portfolio eine stärkere Deutschland-Komponente hinzufügen möchten, kann eine kleine Beimischung eines MDAX-ETFs (ca. 5-10 %) sinnvoll sein, der die mittelgroßen deutschen Unternehmen abbildet. Die Auswahl der passenden ETFs ist dank des großen Angebots deutscher Broker einfach. Mit hunderten von sparplanfähigen ETFs allein bei Anbietern wie Trade Republic oder Scalable Capital findet jeder die passenden Produkte. Wichtig ist, auf eine niedrige Gesamtkostenquote (TER) zu achten, idealerweise unter 0,3 % pro Jahr.
Ein konkreter Plan für 5.000 Euro könnte so aussehen:
- Woche 1: 1.250 € investieren (875 € in MSCI World, 375 € in MSCI Emerging Markets).
- Woche 2: Weitere 1.250 € nach dem gleichen Schlüssel investieren.
- Woche 3: Dritte Tranche von 1.250 € investieren.
- Woche 4: Die letzten 1.250 € investieren und parallel den monatlichen Sparplan starten, der fortan die gleichen ETFs bespart.
Wie Sie Ihre Anlagestrategie alle 15 Jahre an neue Lebensphasen anpassen?
Eine Anlagestrategie ist kein starres Konstrukt, sondern muss sich mit Ihren Lebensumständen weiterentwickeln. Was für einen 25-jährigen Berufseinsteiger optimal ist, passt nicht mehr für einen 40-jährigen Familienvater oder eine 55-Jährige, die die Rente plant. Der Schlüssel ist, die Strategie nicht willkürlich, sondern in vordefinierten Phasen anzupassen, um die Balance zwischen Renditechancen und Risikokontrolle zu wahren.
Praxismodell: Das 3-Phasen-Modell der Vermögensbildung
Eine von Experten wie der Stiftung Warentest beschriebene, bewährte Methode ist das 3-Phasen-Modell: Phase 1 (Ansparphase, bis ca. 15-20 Jahre vor der Rente): Fokus auf maximales Wachstum. Die Aktienquote liegt bei 90-100 %. Das Ziel ist die reine Akkumulation von Vermögen. Phase 2 (Konsolidierungsphase, 10-15 Jahre vor der Rente): Die Risikobereitschaft sinkt. Die Aktienquote wird schrittweise auf 60-70 % reduziert. Sicherere Anlagen wie Anleihen-ETFs oder Festgeld werden beigemischt, um das erreichte Vermögen abzusichern. Phase 3 (Entnahmephase, ab Renteneintritt): Der Fokus liegt auf dem Kapitalerhalt und der Generierung eines regelmäßigen Einkommens. Die Aktienquote wird weiter auf ca. 50 % oder weniger gesenkt. Nun wird eine Entnahmestrategie, wie die bekannte 4%-Regel, umgesetzt.
Während dieser Anpassungen wird auch die Steueroptimierung immer wichtiger. In der Ansparphase spielt die jährliche Realisierung von Gewinnen kaum eine Rolle. Nähern Sie sich jedoch der Rente, kann es sinnvoll werden, den jährlichen Sparerpauschbetrag (1.000 € für Singles, 2.000 € für Paare) gezielt auszunutzen. Durch den Verkauf und sofortigen Neukauf von ETF-Anteilen können Gewinne bis zu dieser Höhe steuerfrei realisiert werden. Dies hebt das Einstandsniveau der Anteile und reduziert die Steuerlast bei einer späteren, größeren Entnahme. Die optimale Nutzung dieser Freibeträge kann die Nettorendite über die gesamte Anlagedauer signifikant erhöhen.
Die Anpassung erfolgt durch das sogenannte „Rebalancing“. Einmal im Jahr wird die ursprüngliche prozentuale Aufteilung des Portfolios wiederhergestellt. Ist die Aktienquote durch Kursgewinne zu hoch, werden Aktien-ETFs verkauft und sicherere Anlagen gekauft – und umgekehrt. Dies geschieht systematisch und emotionslos und sorgt dafür, dass die Strategie immer zur aktuellen Lebensphase passt.
Das Wichtigste in Kürze
- System vor Emotion: Ein automatisierter Sparplan ist die beste Verteidigung gegen psychologische Fehler wie Panikverkäufe.
- Zeit ist Ihr stärkster Verbündeter: Frühes Beginnen mit kleinen Beträgen ist effektiver als spätes Beginnen mit hohen Beträgen.
- Steuern als strategischer Hebel: Die Kenntnis und Nutzung deutscher Steuervorteile (Teilfreistellung, Sparerpauschbetrag) ist entscheidend für die Nettorendite.
Wie Sie Ihr Vermögen gegen Inflation und Krisen über 30 Jahre schützen
Ein Vermögen aufzubauen ist die eine Hälfte der Gleichung; es über Jahrzehnte zu schützen, die andere. Die beiden größten Feinde des langfristigen Kapitalerhalts sind die schleichende Inflation und plötzliche Marktkrisen. Eine robuste Schutzstrategie basiert auf denselben Prinzipien wie der Aufbau: Diversifikation und einer systembasierten Denkweise.
Der beste Schutz gegen Inflation – den Kaufkraftverlust Ihres Geldes – sind Sachwerte. Aktien sind Unternehmensbeteiligungen und damit Sachwerte. Historisch gesehen haben globale Aktienportfolios langfristig immer eine Rendite erzielt, die deutlich über der Inflationsrate lag. Der Grund ist einfach: Unternehmen können steigende Kosten für Rohstoffe und Löhne in der Regel über Preiserhöhungen an die Kunden weitergeben, wie Branchenanalysen immer wieder bestätigen. Ihr Investment wächst also mit der Inflation mit und schützt so den realen Wert Ihres Vermögens.

Gegen unvorhersehbare Krisen (Finanzkrisen, geopolitische Schocks) hilft vor allem eine mehrschichtige Verteidigung. Die erste und wichtigste Säule ist ein liquider Notgroschen von 3-6 Monatsausgaben auf einem Tagesgeldkonto. Dieser Puffer verhindert, dass Sie in einer persönlichen Notlage gezwungen sind, Ihre langfristigen Anlagen zu ungünstigen Zeitpunkten zu verkaufen. Die zweite Säule ist die breite Diversifikation Ihres Portfolios. Ein weltweiter ETF streut Ihr Risiko bereits über tausende Unternehmen, verschiedene Länder und Währungen. Werden einzelne Regionen von einer Krise getroffen, fangen andere dies auf.
Als zusätzliche Absicherung kann eine kleine Beimischung (5-10 %) von Anlagen sinnvoll sein, die sich in Krisen oft gegenläufig zum Aktienmarkt entwickeln, wie zum Beispiel physisches Gold oder Staatsanleihen höchster Bonität. Der entscheidende Punkt ist jedoch, in einer Krise nicht das System zu verlassen, sondern ihm zu vertrauen. Krisen sind ein normaler Teil des Marktzyklus und bieten für den disziplinierten Anleger Kaufgelegenheiten, keine Verkaufsignale.
Der erste Schritt ist oft der schwierigste, aber auch der entscheidende. Beginnen Sie jetzt damit, Ihr persönliches Anlagesystem aufzubauen, die Weichen für Ihre finanzielle Zukunft zu stellen und Ihr Vermögen systematisch wachsen zu lassen.