Veröffentlicht am April 11, 2024

Zusammenfassend:

  • Der größte Feind Ihrer Rendite sind nicht die Märkte, sondern emotionale Entscheidungen wie Panikverkäufe.
  • Bauen Sie ein System auf: Ein schriftliches Investment-Manifest schützt Sie vor impulsiven Handlungen.
  • Eine Zwei-Töpfe-Strategie (sicherer Notgroschen auf dem Tagesgeld, Rest in globale ETFs) minimiert das Risiko.
  • Automatisierte ETF-Sparpläne sind der Schlüssel zum langfristigen Erfolg, da sie Willenskraft überflüssig machen.
  • Fokus auf niedrige Kosten (TER unter 0,3%) hat einen größeren Einfluss auf Ihr Vermögen als perfektes Market-Timing.

Ihr Erspartes schmilzt durch die Inflation auf dem Girokonto, aber der Gedanke an die Börse löst Unbehagen aus? Sie sind nicht allein. Viele Anfänger in Deutschland stehen vor genau diesem Dilemma: Die Angst vor dem Verlust ist groß, doch die Untätigkeit kostet ebenfalls Geld. Die meisten Ratgeber empfehlen Ihnen dann Standardlösungen wie „breit streuen“ oder „in ETFs investieren“. Das sind zwar richtige, aber unvollständige Ratschläge. Sie adressieren nicht die eigentliche Gefahr, die den meisten Einsteigern zum Verhängnis wird.

Die bittere Wahrheit ist: Der größte Feind Ihrer Geldanlage sind nicht schwankende Kurse, sondern Ihre eigenen, menschlichen Emotionen. Die Tendenz, in der Euphorie zu teuer zu kaufen und in der Panik zu billig zu verkaufen, ist der Hauptgrund für Verluste. Erfolgreiches Investieren ist daher weniger eine Frage von geheimem Wissen als vielmehr eine Frage von diszipliniertem Verhalten. Es geht darum, ein robustes System zu schaffen, das Sie vor sich selbst schützt und Ihnen erlaubt, rational und ruhig Vermögen aufzubauen.

Dieser Leitfaden verfolgt daher einen anderen Ansatz. Er zeigt Ihnen nicht nur, *was* Sie tun sollten, sondern vor allem, *wie* Sie ein psychologisches Rüstzeug und eine klare Strategie entwickeln, um die typischen, teuren Verhaltensfallen zu umgehen. Wir werden Schritt für Schritt durchgehen, wie Sie ein solides Fundament legen, Ihr Geld sinnvoll aufteilen und Prozesse automatisieren, sodass Ihre Rendite nicht von Ihrer täglichen Willenskraft abhängt. So verwandeln Sie Unsicherheit in einen klaren, umsetzbaren Plan.

Dieser Artikel führt Sie strukturiert durch die wichtigsten Aspekte des sicheren Investierens für Einsteiger. Das folgende Inhaltsverzeichnis gibt Ihnen einen Überblick über die Themen, die wir behandeln werden, um Sie optimal auf Ihre ersten Schritte an der Börse vorzubereiten.

Warum Anlage-Einsteiger beim Hoch kaufen und beim Tief verkaufen?

Das Phänomen ist so alt wie die Börse selbst: Angetrieben von Gier und positiven Schlagzeilen steigen viele Anfänger ein, wenn die Kurse bereits auf Höchstständen sind. Fällt der Markt dann, schlägt die Gier in Panik um. Aus Angst, alles zu verlieren, wird verkauft – oft am tiefsten Punkt des Kursverfalls. Dieses prozyklische Verhalten ist die häufigste Ursache für Verluste bei Privatanlegern. Berichte von Anlegern, die zur Zeit der Dotcom-Blase eingestiegen sind, zeigen, wie schnell sich das Kapital durch emotionale Entscheidungen reduzieren kann, wie der Autor aus eigener Erfahrung beim Börsenstart im Jahr 2000 berichtet, bei dem er fast 80% seines Kapitals verlor.

Die Ursache liegt in unserer Psychologie. Die Angst vor Verlust (Verlustaversion) ist etwa doppelt so stark wie die Freude über einen gleich hohen Gewinn. In fallenden Märkten dominiert diese Angst unser rationales Denken und zwingt uns zu kurzfristigen, destruktiven Handlungen. Erfolgreiche Anleger haben nicht zwingend mehr Wissen, sondern bessere Verhaltensstrategien. Sie haben ein System, das ihre Emotionen in Schach hält.

Der effektivste Schutz ist, die eigenen Regeln in ruhigen Marktphasen schriftlich festzulegen. Ein persönliches Investment-Manifest dient als Ihr Anker in stürmischen Zeiten. Wenn die Panik aufkommt, lesen Sie Ihre eigenen, rational getroffenen Entscheidungen nach und halten sich daran. Dieses Dokument definiert, warum Sie investieren, was Ihre Ziele sind und vor allem, unter welchen Bedingungen Sie handeln – und unter welchen nicht. Es ist Ihr Vertrag mit sich selbst, um teure Impulshandlungen zu vermeiden.

Ihr Plan zur Erstellung eines persönlichen Investment-Manifests

  1. Regeln definieren: Legen Sie in ruhigen Marktphasen Ihre Anlagestrategie, Ziele und Risikotoleranz schriftlich fest.
  2. System aufbauen: Erstellen Sie ein einfaches Regelwerk, das Sie vor emotionalen Kurzschlussreaktionen schützt (z.B. „Ich verkaufe nicht bei einem Markteinbruch von über 10%“).
  3. Ausstiegskriterien festlegen: Definieren Sie klar, wann Sie eine Position verkaufen (z.B. bei Erreichen eines Sparziels), nicht weil der Markt volatil ist.
  4. Die 90/10-Regel anwenden: Investieren Sie 90% Ihres Kapitals in ein stabiles, breit gestreutes Kerndepot und nutzen Sie maximal 10% als „Spieldepot“ für riskantere Einzelwetten. Dies schützt den Großteil Ihres Vermögens.

Wie Sie mit 5.000 € ein ausgewogenes Startportfolio in 4 Wochen aufbauen?

Der Aufbau eines Portfolios muss kein komplizierter, monatelanger Prozess sein. Mit einem klaren 4-Wochen-Plan können Sie systematisch vorgehen und die wichtigsten Entscheidungen fundiert treffen. Anstatt alles auf einmal zu erledigen, teilen Sie den Prozess in überschaubare Schritte auf.

Visueller 4-Wochen-Plan zum Portfolioaufbau für Anfänger

Hier ist ein praxiserprobter Plan, den Sie direkt umsetzen können:

  • Woche 1: Die Basis schaffen (Depoteröffnung). Ihre erste Aufgabe ist die Wahl eines passenden Brokers. Für Anfänger in Deutschland sind sogenannte Neo-Broker wie Trade Republic oder Scalable Capital oft die beste Wahl. Sie bieten kostenlose Depotführung und sehr günstige Ordergebühren, was gerade bei kleineren Beträgen entscheidend ist.
  • Woche 2: Die Strategie festlegen (Asset-Allokation). Bevor Sie einen einzigen Euro investieren, entscheiden Sie über Ihre grundsätzliche Aufteilung. Eine bewährte und einfache Methode für den Aktienanteil ist die 70/30-Strategie: 70% Ihres Aktienkapitals fließen in einen ETF auf den MSCI World (Industrieländer) und 30% in einen ETF auf den MSCI Emerging Markets (Schwellenländer). Diese Kombination bildet die Weltwirtschaft umfassend ab und sorgt für eine breite Streuung.
  • Woche 3: Die Produkte auswählen (ETF-Selektion). Suchen Sie nun nach konkreten ETFs für Ihre 70/30-Strategie. Achten Sie auf niedrige Gesamtkosten (TER unter 0,3%), ein ausreichendes Fondsvolumen (über 100 Mio. €) und die Replikationsmethode (physisch ist oft transparenter).
  • Woche 4: Die Umsetzung automatisieren (Sparplan einrichten). Richten Sie einen monatlichen Sparplan ein, anstatt die gesamte Summe auf einmal zu investieren. Dies nutzt den Cost-Average-Effekt und, noch wichtiger, es nimmt die Emotion aus dem Einstiegsprozess.

Für die Wahl des Depots ist ein Vergleich der Konditionen entscheidend. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über zwei beliebte Anbieter in Deutschland.

Vergleich von Neo-Brokern für Einsteiger
Kriterium Trade Republic Scalable Capital
Ordergebühren 1 Euro pro Trade 99 Cent bei Gettex
ETF-Sparpläne Über 2.600 kostenlos Über 2.700 kostenlos
Zinsen auf Guthaben 2,00% p.a. 2,00% p.a.
Besonderheit Kostenloses Girokonto Monatsflatrate für Vieltrader

Tagesgeld mit 3% oder ETF mit 6%: Welche Anlage ist für Einsteiger sicherer?

Die Frage stellt einen falschen Gegensatz dar. Für einen sicheren und erfolgreichen Einstieg in die Geldanlage brauchen Sie beides. Anstatt „entweder/oder“ zu denken, sollten Sie eine „Zwei-Töpfe-Strategie“ verfolgen. Jeder Topf erfüllt einen anderen, aber gleich wichtigen Zweck für Ihre finanzielle Stabilität. Diese Trennung ist der Kern eines risikobewussten Investmentansatzes.

Topf 1: Der Sicherheitspuffer (Tagesgeld). Dieser Topf enthält Ihren Notgroschen. Das sind 3 bis 6 Monatsausgaben, die absolut sicher und jederzeit verfügbar sein müssen. Das Geld dient ausschließlich unvorhergesehenen Ausgaben wie einer Autoreparatur oder dem Jobverlust. Dieses Geld wird NICHT investiert. Ein Tagesgeldkonto ist hierfür ideal, da es keine Kursschwankungen gibt und Sie dennoch Zinsen erhalten. Aktuell können Sie bis zu 3,70% Zinsen auf Tagesgeldkonten erhalten (Stand: September 2024), was zumindest einen Teil der Inflation ausgleicht. Dieser Sicherheitspuffer gibt Ihnen die psychologische Freiheit, die Schwankungen in Ihrem zweiten Topf entspannt auszusitzen.

Topf 2: Der Wachstumsmotor (ETFs). In diesen Topf fließt nur Geld, das Sie nachweislich für die nächsten 10 bis 15 Jahre nicht benötigen. Hier investieren Sie in breit gestreute, globale Aktien-ETFs. Das Ziel ist nicht kurzfristige Verfügbarkeit, sondern langfristiger Vermögensaufbau und eine Rendite, die deutlich über der Inflationsrate liegt. Historisch gesehen liegt die durchschnittliche Rendite globaler Aktien bei 6-8% pro Jahr. Dieses Geld ist jedoch Kursschwankungen ausgesetzt. Dank Ihres Notgroschens in Topf 1 müssen Sie bei einem Börsencrash nicht panisch verkaufen, um eine Rechnung zu bezahlen.

Sicherheit für Einsteiger entsteht also nicht durch die Wahl eines einzigen „sicheren“ Produkts, sondern durch die intelligente Kombination. Das Tagesgeld sichert Ihre Liquidität und schützt Sie vor Notverkäufen. Der ETF sichert Ihr Vermögen langfristig vor der Inflation und sorgt für Wachstum. Erst zusammen bilden sie ein wirklich sicheres Fundament.

Die 3 Anfängerfehler, die Einsteiger durchschnittlich 2.400 € in 2 Jahren kosten

Abseits von emotionalen Panikverkäufen gibt es drei konkrete, kostspielige Fehler, die Anfänger immer wieder machen. Sie basieren auf Unwissenheit, Bequemlichkeit und falschen Prioritäten. Diese Fehler zu kennen und aktiv zu vermeiden, hat einen direkten und messbaren Einfluss auf Ihren Anlageerfolg.

  1. Hohe Kosten ignorieren: Viele Einsteiger wählen aktiv gemanagte Fonds ihrer Hausbank, ohne auf die Kosten zu achten. Ein klassischer deutscher Mischfonds kostet im Schnitt 1,80% pro Jahr, plus oft 3-5% Ausgabeaufschlag. Ein vergleichbarer ETF-Sparplan oder ein Robo-Advisor kostet hingegen oft unter 1% insgesamt. Ein Unterschied von nur 1,5% pro Jahr klingt nach wenig, summiert sich aber über 30 Jahre bei einer Anlage von 10.000 € auf einen Unterschied von über 22.000 Euro. Niedrige Kosten sind die einzige garantierte „Zusatzrendite“, die Sie von Anfang an sichern können.
  2. Konsumschulden nicht priorisieren: An der Börse eine Rendite von 6-8% zu erzielen, ist ein gutes, aber kein garantiertes Ergebnis. Gleichzeitig dulden viele Anleger einen Dispokredit auf ihrem Girokonto. Dieser ist eine Form von Konsumschulden mit extrem hohen Zinsen. Die Tilgung dieser Schulden ist Ihre beste und sicherste Investition.
  3. Auf Einzelaktien und „heiße Tipps“ setzen: Der Reiz, die nächste „Amazon“ oder „Tesla“ zu finden, ist groß. Doch die Realität ist ernüchternd: Studien zeigen, dass nur ein winziger Bruchteil aller Aktien für den gesamten Vermögenszuwachs an der Börse verantwortlich ist. Als Anfänger zu versuchen, genau diese Aktien zu finden, ist reine Spekulation und endet meist mit Verlusten. Ein breit gestreuter ETF ist die rationale und statistisch überlegene Alternative.

Fallbeispiel: Der ungenutzte Rendite-Booster Dispokredit

Ein häufiger Fehler ist das Investieren an der Börse, während gleichzeitig ein teurer Dispokredit besteht. Ein Dispokredit von nur 5.000 Euro bei einem marktüblichen Zinssatz von 11% kostet Sie 550 Euro pro Jahr – nur an Zinsen. Das Geld ist einfach weg. Wenn Sie stattdessen Ihre 5.000 Euro nutzen, um diesen Kredit zu tilgen, „erwirtschaften“ Sie eine garantierte, steuerfreie Rendite von 11%. Keine Anlage an der Börse kann Ihnen eine solche risikofreie Rendite versprechen. Erst wenn alle teuren Konsumschulden getilgt sind, ist der Weg für ein Investment-Portfolio frei.

Wann einsteigen: Jetzt sofort oder auf den nächsten Crash warten?

Die Frage nach dem perfekten Einstiegszeitpunkt quält fast jeden Anfänger. Die Angst, kurz vor einem Börsencrash zu investieren und das eigene Geld sofort schrumpfen zu sehen, ist eine massive psychologische Hürde. Viele entscheiden sich daher für die vermeintlich sichere Option: abwarten. Doch dieses Zögern ist oft teurer als ein schlecht getimter Einstieg. Die historische Analyse zeigt klar: „Time in the market beats timing the market“. Die Zeit, die Ihr Geld im Markt investiert ist und für Sie arbeitet, ist weitaus wichtiger als der Versuch, den perfekten, tiefsten Punkt für den Einstieg zu erwischen.

Visualisierung des Konzepts Time in the Market beats Timing the Market

Anstatt auf einen Crash zu hoffen, der vielleicht nie kommt oder dessen Tiefpunkt Sie ohnehin verpassen würden, gibt es eine weitaus rationalere und nervenschonendere Methode für Einsteiger: die sanfte Einstiegs-Methode. Sie kombiniert die Vorteile eines sofortigen Starts mit einer psychologischen Absicherung.

  • Stückelung der Einmalanlage: Anstatt die gesamten 10.000 Euro auf einmal zu investieren, teilen Sie den Betrag auf. Investieren Sie die Summe in Tranchen über einen festgelegten Zeitraum, zum Beispiel 1.000 Euro pro Monat über 10 Monate. Fällt der Markt in dieser Zeit, kaufen Sie mit den späteren Tranchen günstiger nach. Steigt er, sind Sie von Anfang an dabei gewesen.
  • Automatischer Sparplan: Richten Sie sofort einen monatlichen Sparplan ein, selbst wenn es nur mit einem kleinen Betrag wie 50 € oder 100 € ist. Dies etabliert die Gewohnheit des regelmäßigen Investierens und Sie beginnen sofort, vom Zinseszinseffekt zu profitieren.
  • Mentale Vorbereitung: Sehen Sie einen zukünftigen Crash nicht als Katastrophe, sondern als Kaufgelegenheit. Wenn Sie mental darauf vorbereitet sind, dass Ihr Portfolio temporär um 20% oder 30% fallen kann, werden Sie nicht in Panik verfallen, sondern vielleicht sogar Ihre Sparrate erhöhen.

Diese Methode entkoppelt Ihre Anlageentscheidung von der unmöglich zu beantwortenden Frage des perfekten Timings. Sie starten sofort, aber auf eine Weise, die Ihre emotionale Belastbarkeit berücksichtigt und das Risiko eines „schlechten Starts“ psychologisch abfedert.

Wie Sie einen automatischen Sparplan einrichten, der ohne Willenskraft 500 € monatlich investiert?

Die größte Hürde beim langfristigen Vermögensaufbau ist nicht das fehlende Wissen, sondern die fehlende Konstanz. Jeden Monat aktiv die Entscheidung zu treffen, Geld zu überweisen und zu investieren, erfordert Willenskraft – eine Ressource, die begrenzt ist und im Alltagsstress oft auf der Strecke bleibt. Die Lösung ist, diesen Prozess vollständig zu automatisieren. Ein automatischer ETF-Sparplan ist das mächtigste Werkzeug im Arsenal eines Anfängers, denn er macht den Erfolg von Ihrer Disziplin unabhängig.

Das Prinzip ist einfach: Sie richten bei Ihrem Online-Broker einen Dauerauftrag ein. An einem festen Tag im Monat, idealerweise kurz nach dem Gehaltseingang, wird ein von Ihnen festgelegter Betrag (z.B. 500 €) automatisch von Ihrem Girokonto abgebucht und in die von Ihnen ausgewählten ETFs investiert. Dieser „Set it and forget it“-Ansatz hat mehrere unschätzbare Vorteile. Erstens erzwingt er das Prinzip „Pay yourself first“ (Bezahl dich selbst zuerst). Sie sparen, bevor das Geld für andere Konsumausgaben zur Verfügung steht. Zweitens eliminiert er emotionale Entscheidungen. Ob die Börse gerade steigt oder fällt, der Sparplan läuft unbeeindruckt weiter.

Drittens profitieren Sie vom sogenannten Cost-Average-Effekt. Bei hohen Kursen kaufen Sie für Ihren festen Betrag automatisch weniger Anteile, bei niedrigen Kursen mehr. Über die Zeit glättet sich so Ihr durchschnittlicher Einstiegspreis. Der wichtigste Effekt ist jedoch der psychologische: Die Automatisierung verwandelt Vermögensaufbau von einer aktiven, anstrengenden Aufgabe in einen passiven, unsichtbaren Prozess. Der Zinseszinseffekt kann so über Jahrzehnte ungestört seine volle Wirkung entfalten. Selbst ein kleiner Betrag kann enorme Auswirkungen haben: Bei einer durchschnittlichen jährlichen Rendite von 7% können Sie mit einem monatlichen Sparplan von 100 Euro nach 30 Jahren ein Vermögen von rund 122.000 Euro erreichen.

Die Einrichtung ist bei den meisten Neo-Brokern in wenigen Minuten erledigt. Sie wählen Ihren ETF aus, legen die Sparrate und das Ausführungsintervall fest – und das System übernimmt den Rest. Es ist der einfachste und effektivste Weg, Willenskraft durch ein System zu ersetzen.

Wie Sie Ihr Vermögen auf 4 Assetklassen verteilen, die Inflation standhalten?

Diversifikation ist entscheidend: Verteilen Sie Ihr Geld auf verschiedene Anlageklassen wie ETFs, Anleihen, Aktien und Immobilien, um Risiken zu minimieren

– BERGFÜRST Ratgeber, 5.000 € anlegen: Tipps zu den besten Geldanlagen

Diversifikation oder „Streuung“ bedeutet mehr, als nur in verschiedene Aktien zu investieren. Echte Stabilität in einem Portfolio entsteht durch die Verteilung des Vermögens auf verschiedene Anlageklassen (Assetklassen), die sich in unterschiedlichen Marktphasen unterschiedlich verhalten. Für einen Einsteiger mit 10.000 € muss dies nicht kompliziert sein. Eine einfache und robuste Aufteilung auf vier Kernbausteine bietet einen guten Kompromiss aus Wachstumschancen und Krisenfestigkeit.

Das Ziel ist, nicht alles auf eine Karte zu setzen. Wenn Aktien (der Wachstumsmotor) fallen, können andere Anlageklassen wie Anleihen oder Gold das Portfolio stabilisieren. Diese Aufteilung reduziert die Gesamtschwankung (Volatilität) Ihres Vermögens und hilft Ihnen, auch in Krisenzeiten ruhig zu bleiben. Eine sinnvolle Aufteilung für ein Startportfolio könnte wie folgt aussehen, wie auch Analysen zur Asset-Allokation zeigen.

Die 4 Assetklassen im Überblick
Assetklasse Anteil Funktion Inflationsschutz
Globale Aktien-ETFs 70% Wachstumsmotor Hoch (Unternehmensgewinne)
Sichere Anlage (Tages-/Festgeld) 20% Liquiditätsreserve Niedrig
Rohstoffe/Gold 5% Krisenversicherung Mittel bis hoch
Inflationsgeschützte Anleihen 5% Direkter Inflationsausgleich Sehr hoch

Diese Struktur ist ein ausgewogener Startpunkt. Der größte Teil (70%) ist in globale Aktien-ETFs investiert, um langfristig von der Wirtschaftskraft weltweit zu profitieren und die Inflation zu schlagen. Der Sicherheitsbaustein (20% Tagesgeld) dient als Ihr Notgroschen und Stabilisator. Die kleinen Beimischungen von Gold (als Krisenwährung) und inflationsgeschützten Anleihen (die direkt von der Teuerungsrate profitieren) dienen als zusätzliche Versicherungspolicen für Extremszenarien. Mit zunehmender Erfahrung und Vermögen kann diese Allokation weiter verfeinert werden, aber als Fundament bietet sie einen robusten Schutz.

Das Wichtigste in Kürze

  • System schlägt Emotion: Ein schriftlicher Plan und automatisierte Sparpläne sind Ihr bester Schutz vor teuren Panikreaktionen.
  • Kosten sind entscheidend: Die Wahl eines günstigen ETFs (niedrige TER) hat einen größeren Einfluss auf Ihr Endvermögen als der Versuch, den Markt zu timen.
  • Sicherheit durch zwei Töpfe: Ein liquider Notgroschen auf dem Tagesgeldkonto ist die Voraussetzung, um langfristig und entspannt in ETFs investieren zu können.

Wie Sie durch rationales Investieren 2-3% mehr Rendite pro Jahr erzielen

Viele Anfänger jagen den letzten Prozentpunkt Rendite, indem sie versuchen, die „besten“ Aktien zu finden oder den Markt zu timen. Doch die wahre, nachhaltige Mehrrendite liegt nicht in der Spekulation, sondern in der Vermeidung von Kosten und Fehlern. Rationales Investieren bedeutet, sich auf die Faktoren zu konzentrieren, die Sie tatsächlich kontrollieren können. Dazu gehören vor allem die Kosten Ihrer Anlagen und Ihr eigenes Verhalten.

Der größte Hebel sind die Kosten. Die Gesamtkostenquote eines Fonds, die sogenannte Total Expense Ratio (TER), wird direkt von Ihrer Rendite abgezogen – Jahr für Jahr. Bei der Auswahl eines ETFs sollten Sie daher gezielt nach Produkten mit sehr niedrigen Kosten suchen. Es ist keine Seltenheit, breit gestreute Welt-ETFs zu finden, deren TER von unter 0,3% liegt. Im Vergleich zu einem aktiven Fonds mit 1,8% TER sparen Sie so 1,5% pro Jahr. Das ist eine garantierte Mehrrendite, die Sie ohne zusätzliches Risiko erzielen.

Der zweite Faktor ist die Vermeidung von unnötigen Transaktionen. Jedes Kaufen und Verkaufen verursacht Kosten und kann steuerliche Nachteile haben. Vor allem aber verleitet es zu emotionalem Handeln. Je aktiver Sie handeln, desto wahrscheinlicher ist es, dass Sie die typischen Verhaltensfehler machen. Ein rationaler Anleger wählt eine Strategie (z.B. 70/30-Portfolio), setzt sie mit günstigen ETFs um und lässt sie dann über Jahre und Jahrzehnte laufen – idealerweise über einen automatisierten Sparplan. Die Devise lautet: Buy and Hold.

Zusammenfassung: Die 3 tödlichen Anfängerfehler vermeiden

Rationales Investieren lässt sich auf die Vermeidung von drei Kernfehlern reduzieren: 1. Kaufen Sie keine Einzelaktien nach Bauchgefühl, denn nur eine verschwindend geringe Anzahl an Aktien ist für den gesamten Vermögenszuwachs verantwortlich. 2. Verkaufen Sie niemals in einer Krise, denn das realisiert temporäre Buchverluste in echte Verluste. 3. Handeln Sie nicht zu viel hin und her, denn Studien belegen, dass die Rendite von Privatanlegern sinkt, je aktiver sie handeln. Ein passiver, systematischer Ansatz ist fast immer überlegen.

Der nächste logische Schritt ist nun, nicht länger zu warten, sondern Ihr persönliches Investment-Manifest zu erstellen und mit einem kleinen Betrag per Sparplan den ersten Schritt zu machen. Beginnen Sie noch heute damit, ein System für Ihren Vermögensaufbau zu schaffen, das für Sie arbeitet.

Fragen fréquentes sur Geldanlage für Anfänger in Deutschland

Wie viel sollte als Notgroschen zurückgelegt werden?

In einem ersten Schritt sollten Sie einen Notgroschen zurücklegen. Diese Reserve muss jederzeit flüssig sein, idealerweise 3 bis 6 Netto-Monatsgehälter umfassen, und ist auf einem Tagesgeldkonto am besten aufgehoben.

Was ist der Vorteil von Festgeld als Mittelweg?

Für Anlagen mit einem mittelfristigen Horizont (z.B. 2-5 Jahre), bei denen Sie das Geld sicher nicht benötigen, kann Festgeld eine Alternative sein. Es bietet oft etwas höhere Zinsen als Tagesgeld. Um jedoch in Aktien, Anleihen, Fonds oder ETFs zu investieren und somit höhere Renditechancen zu haben, wird zwingend ein Depot benötigt.

Geschrieben von Thomas Schneider, Thomas Schneider ist unabhängiger Finanzberater (IHK-zertifiziert) und Vermögensstrategist mit 15 Jahren Erfahrung in der privaten Anlageberatung. Er hält eine CFA-Zertifizierung (Chartered Financial Analyst) und berät vermögende Privatkunden beim langfristigen Vermögensaufbau, der Portfoliostrukturierung und der strategischen Kapitalallokation.