Veröffentlicht am März 15, 2024

Ihr Garten ist mehr als nur Privatgrund – er ist ein potenzieller Arten-Hotspot und ein entscheidendes Trittsteinbiotop im Kampf gegen das Artensterben.

  • Gezielte, wissenschaftlich fundierte Maßnahmen haben eine weitaus größere ökologische Hebelwirkung als gut gemeinte, aber oft wirkungslose Spenden oder Produkte.
  • Viele kommerzielle „Hilfsmittel“ wie Baumarkt-Insektenhotels können der Artenvielfalt sogar schaden, wenn sie falsch konstruiert sind.

Empfehlung: Fangen Sie mit einer einzigen, hochwirksamen Maßnahme an: Wandeln Sie nur zwei Quadratmeter Ihres Rasens in eine heimische Wildblumenwiese um.

Angesichts des fortschreitenden Insektensterbens und dem Verlust der Biodiversität fühlen sich viele naturverbundene Menschen in Deutschland machtlos. Man möchte helfen, spendet vielleicht hier und da oder kauft im Baumarkt ein Insektenhotel und eine Tüte „Bienenweide“. Doch oft bleiben die erhofften Ergebnisse aus. Der Garten bleibt still, die Vielfalt an Schmetterlingen und Wildbienen nimmt nicht sichtlich zu. Diese gut gemeinten Anstrengungen scheitern oft, weil sie nicht auf die tatsächlichen Bedürfnisse der heimischen Tierwelt abgestimmt sind und in die Kategorie der „wirkungslosen Fallen“ fallen.

Doch was, wenn die wahre Revolution für die Artenvielfalt nicht in fernen Nationalparks, sondern direkt vor unserer Haustür stattfindet? Die eigentliche Kraft liegt nicht in Einzelaktionen, sondern in der strategischen Umwandlung jedes einzelnen Gartens und Balkons in ein funktionierendes Mikro-Ökosystem. Der Schlüssel ist das Konzept des Trittsteinbiotops: Ihr Garten wird zu einem lebenswichtigen Verbindungspunkt in einem größeren Netzwerk von Lebensräumen, das es Arten ermöglicht, sich auszubreiten und zu überleben. Es geht nicht darum, mehr zu tun, sondern die richtigen, oft überraschenden Dinge zu tun, um eine maximale ökologische Hebelwirkung zu erzielen.

Dieser Artikel ist Ihr praxisorientierter Leitfaden, um Ihren Garten von einer reinen Grünfläche in einen blühenden Arten-Hotspot zu verwandeln. Wir zeigen Ihnen, warum Ihr kleiner Garten einen größeren Einfluss haben kann als eine hohe Geldspende, wie Sie Schritt für Schritt Lebensräume schaffen, welche gängigen Fehler Sie unbedingt vermeiden sollten und wie Sie Ihr Engagement auf die Nachbarschaft ausweiten können, um einen messbaren Unterschied zu machen.

Warum Ihr 50 m² Garten mehr Artenvielfalt retten kann als 1.000 € Spende?

Die Vorstellung, dass nur große Naturschutzgebiete einen wirklichen Beitrag zur Artenvielfalt leisten können, ist ein weit verbreiteter Irrtum. Die Realität ist, dass das Netzwerk aus unzähligen kleinen Privatflächen eine immense ökologische Kraft entfalten kann. In Deutschland gibt es laut Schätzungen des NABU rund 17 Millionen Privatgärten. Zusammen bilden sie eine riesige Fläche, die, wenn sie naturnah gestaltet wird, als Kette von Trittsteinbiotopen fungiert. Diese kleinen, vernetzten Lebensräume sind für viele Insekten, Vögel und Kleintiere überlebenswichtig, um sich zwischen größeren Grünflächen bewegen, ernähren und fortpflanzen zu können.

Eine Geldspende an eine große Organisation ist wertvoll, aber sie finanziert oft Projekte in weiter Ferne. Eine direkte, physische Veränderung in Ihrem eigenen Garten schafft hingegen unmittelbaren, lokalen Lebensraum. Das vom Bundesforschungsministerium geförderte Projekt „gARTENreich“ hat wissenschaftlich nachgewiesen, dass nicht die Größe des Gartens, sondern seine Strukturvielfalt und naturnahe Gestaltung entscheidend für die Artenvielfalt sind. In den untersuchten, besonders artenreichen Gärten fanden die Forscher knapp 300 verschiedene Pflanzenarten – ein Hotspot des Lebens auf kleinstem Raum. Ein sorgfältig angelegter Totholzhaufen, eine kleine Wildblumenfläche oder eine heimische Strauchhecke bieten mehr realen Nutzen für die lokale Fauna als ein anonymer Geldbetrag.

Ihr Garten ist also keine isolierte Insel, sondern ein potenziell entscheidender Knotenpunkt im ökologischen Netz Ihrer Region. Jede heimische Pflanze, die Sie setzen, und jede Struktur, die Sie schaffen, ist eine direkte Investition in das Überleben lokaler Populationen. Diese unmittelbare Hebelwirkung macht Ihre 50 m² wertvoller als Sie vielleicht denken.

Wie Sie Ihren Rasen in 18 Monaten in eine Wildblumenwiese mit Insektenhotel verwandeln?

Die Umwandlung einer sterilen Rasenfläche in eine lebendige Wildblumenwiese ist eine der wirkungsvollsten Maßnahmen für mehr Biodiversität. Es ist ein Prozess, der Geduld erfordert, aber mit einer klaren Strategie planbar ist. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der richtigen Vorbereitung und Materialauswahl, um den zarten Wildblumen einen Vorteil gegenüber konkurrenzstarken Gräsern zu verschaffen.

Verwandlung eines Rasens in eine blühende Wildwiese mit einem daneben installierten, handgefertigten Insektenhotel.

Der erste Schritt ist die Vorbereitung des Bodens. Tragen Sie die Grasnarbe ab und magern Sie den Boden mit Sand oder feinem Schotter ab. Dies reduziert den Nährstoffgehalt und schafft ideale Bedingungen für heimische Wildblumen, die auf kargen Böden besser gedeihen. Anschließend wählen Sie zertifiziertes Regio-Saatgut, das an Ihre spezifische Region in Deutschland angepasst ist. Dies garantiert, dass die Pflanzen optimal zum lokalen Klima und zur heimischen Insektenwelt passen. Die Aussaat erfolgt am besten im Frühjahr oder Herbst auf der vorbereiteten, offenen Fläche.

Parallel dazu schaffen Sie Nistmöglichkeiten. Ein selbstgebautes Wildbienenhaus ist einem gekauften oft überlegen. Verwenden Sie abgelagertes Hartholz (z.B. Eiche, Buche) und bohren Sie saubere Löcher mit 3-10 mm Durchmesser quer zur Holzfaser. Ergänzen Sie dies mit Bambus- oder Schilfröhren in 8-20 cm Länge. Wichtig ist der Standort: sonnig, regengeschützt und in mindestens einem Meter Höhe. Eine solche Nisthilfe in Kombination mit der neuen Nahrungsquelle, der Wildblumenwiese, schafft ein komplettes Ökosystem. Die Wiese selbst wird nur ein- bis zweimal jährlich gemäht, wobei stets Teilbereiche als Überwinterungsquartier stehen bleiben sollten.

Wildwiese oder Rasen: Welcher Garten beherbergt 20x mehr Arten bei weniger Arbeit?

Der klassische englische Rasen ist ein Symbol für Ordnung und Pflege, doch aus ökologischer Sicht ist er eine grüne Wüste. Er bietet kaum Nahrung oder Lebensraum für die meisten heimischen Tierarten. Im direkten Vergleich dazu steht die Wildblumenwiese, die ein dynamischer, artenreicher und überraschend pflegeleichter Lebensraum ist. Die Entscheidung zwischen diesen beiden Konzepten ist eine der grundlegendsten Weichenstellungen für die Biodiversität in Ihrem Garten.

Die Unterschiede in Bezug auf Artenvielfalt, Arbeitsaufwand und ökologischen Nutzen sind gewaltig, wie eine vergleichende Analyse des NABU verdeutlicht:

Vergleich: Wildwiese vs. Englischer Rasen
Kriterium Wildwiese Englischer Rasen
Artenvielfalt Pflanzen 30-50+ Arten 2-5 Arten
Insektenarten Schmetterlinge, Wildbienen, Heuschrecken Wenige generalistische Arten
Mähfrequenz 1-2x pro Jahr Wöchentlich (April-Oktober)
Wasserbedarf Kein zusätzliches Gießen nötig Bei Trockenheit regelmäßig
Düngerbedarf Keine Düngung 3-4x jährlich
Arbeitsaufwand/Jahr Ca. 2-4 Stunden Ca. 40-60 Stunden
Wasseraufnahme bei Starkregen Hoch (tiefe Wurzeln) Gering (flache Wurzeln)
Kühlleistung im Sommer Stark (Verdunstung) Schwach

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Eine Wildwiese beherbergt eine um ein Vielfaches höhere Anzahl an Pflanzen- und Insektenarten. Gleichzeitig sinkt der Arbeits- und Ressourcenaufwand drastisch. Statt wöchentlichem Mähen, regelmäßigem Düngen und Wässern beschränkt sich die Pflege auf ein bis zwei Mahdtermine pro Jahr. Darüber hinaus leistet eine Wiese mit ihrem tiefen Wurzelwerk einen wichtigen Beitrag zum lokalen Wassermanagement bei Starkregen und kühlt die Umgebung im Sommer effektiver als ein kurzgeschorener Rasen. Die Entscheidung für eine Wildwiese ist also nicht nur ein Gewinn für die Natur, sondern auch für Ihre Freizeit und den ökologischen Fußabdruck Ihres Gartens.

Warum Ihr „Insektenhotel“ aus dem Baumarkt oft mehr schadet als nützt?

Der Kauf eines Insektenhotels scheint eine einfache und schnelle Möglichkeit zu sein, etwas für die bedrohte Insektenwelt zu tun. Doch die meisten im Handel erhältlichen Modelle sind nicht nur nutzlos, sondern können für Wildbienen sogar zur tödlichen Falle werden. Der renommierte Wildbienen-Experte Dr. Paul Westrich bringt die Problematik auf den Punkt, wenn er den Begriff „Insektenhotel“ ablehnt:

Insektenhotel ist für mich ein rotes Tuch. Oder tapezieren Sie in Ihrem Hotel die Wände und ziehen neue Türen ein? Mir ist der Begriff Wildbienenhaus lieber, denn so wird gleich deutlich, dass hier das Ei zur Larve bis zum fertigen Vollinsekt heranwächst.

– Dr. Paul Westrich, Wildbienen-Experte auf Vortrag in Mannheim

Eine Analyse des NABU Hamburg von kommerziellen Insektenhotels untermauert diese Kritik. Die typischen Fehler sind gravierend: Die Füllmaterialien wie Stroh, Fichtenzapfen oder Holzhäcksel sind für die meisten heimischen Wildbienen als Nistmaterial völlig ungeeignet. Oft wird Nadelholz verwendet, das zu weich ist und harzt. Die Bohrlöcher sind häufig nicht sauber entgratet und splittern, was die empfindlichen Flügel der Bienen verletzen kann. Zudem werden die Löcher oft ins Hirnholz (die Stirnseite eines Astes) gebohrt, was zu Rissen führt, in denen Feuchtigkeit und Pilze die Brut abtöten.

Ein artgerechtes Wildbienenhaus hingegen setzt auf Qualität: Es besteht aus abgelagertem Hartholz (Eiche, Esche, Buche), in das saubere Löcher mit glatten Rändern und unterschiedlichen Durchmessern (2-9 mm) gebohrt sind – und zwar immer quer zur Faser. Hohlräume sollten mit markhaltigen Stängeln (z.B. von Brombeere, Holunder) oder Bambusröhrchen gefüllt werden, deren hinteres Ende verschlossen ist. Ein solches, korrekt gebautes Wildbienenhaus ist eine echte Lebenshilfe, während ein billiges Baumarkt-Modell oft nur eine gut gemeinte, aber ökologisch wertlose Dekoration darstellt.

Wann Wildblumen säen, Totholz legen und Nistplätze anbringen: Der Jahreskalender

Ein naturnaher Garten lebt im Rhythmus der Jahreszeiten. Gezielte Maßnahmen zur richtigen Zeit maximieren den Nutzen für die Tierwelt und integrieren sich harmonisch in die natürlichen Zyklen. Anstatt hektischem Aktionismus zu verfallen, hilft ein einfacher Jahreskalender dabei, die wichtigsten Aufgaben im Blick zu behalten und die Weichen für ein blühendes Ökosystem zu stellen. Dabei ist es essenziell, die gesetzlichen Rahmenbedingungen zu beachten, insbesondere den § 39 des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG), der radikale Hecken- und Gehölzschnitte vom 1. März bis zum 30. September verbietet, um brütende Vögel zu schützen.

Hier ist ein Überblick über die wichtigsten Aktivitäten im Jahresverlauf:

  • Frühling (März – Mai): Dies ist die Zeit des Erwachens. Hängen Sie jetzt Nisthilfen für Wildbienen auf, bevor die ersten Arten im März aktiv werden. Stellen Sie flache Wasserstellen für heimkehrende Vögel und durstige Insekten bereit. Im Mai können Sie an der NABU-Aktion „Stunde der Gartenvögel“ teilnehmen, um einen Überblick über Ihre gefiederten Gartenbewohner zu bekommen.
  • Sommer (Juni – August): Der Garten steht in voller Blüte. Dies ist die perfekte Zeit für die Insektenzählung im Rahmen des „Insektensommers“ des NABU. Lassen Sie verblühte Stauden stehen; ihre Samenstände sind eine wichtige Nahrungsquelle für Vögel und die Stängel dienen als Überwinterungsquartier für Insekten. Die erste Mahd der Wildblumenwiese erfolgt typischerweise Ende Juni.
  • Herbst (September – November): Der Garten bereitet sich auf den Winter vor. Jetzt ist der ideale Zeitpunkt, um Laub in Gartenecken anzuhäufen. Diese Laubhaufen sind ein perfektes Winterquartier für Igel und viele Insekten. Im Spätherbst können Sie zudem Totholzhaufen anlegen und markhaltige Stängel als Nisthilfen für das nächste Jahr aufstellen.
  • Winter (Dezember – Februar): Dies ist die Ruhephase, aber auch eine Zeit für Vorbereitungen. Planen und bauen Sie neue Nistkästen oder Wildbienenhäuser. Das Anlegen von Totholzhaufen aus Astschnitt ist jetzt besonders sinnvoll, da es die Gartenbewohner am wenigsten stört.

Indem Sie Ihre Gartenarbeit an diesem Kalender ausrichten, schaffen Sie kontinuierlich wertvolle Strukturen und Ressourcen für die heimische Tierwelt, ohne deren Lebenszyklen zu stören.

Wie Sie eine Baumpflanzaktion mit 100+ Freiwilligen in 8 Wochen organisieren?

Der eigene Garten ist der Anfang, aber die größte Wirkung entfaltet sich, wenn die Idee auf die Nachbarschaft übergreift. Eine gemeinsame Baumpflanzaktion ist ein sichtbares, positives Ereignis, das Menschen zusammenbringt und das Konzept der Trittsteinbiotope auf eine neue Ebene hebt. Mit einer strukturierten Planung lässt sich ein solches Projekt in etwa acht Wochen realisieren und kann über 100 Freiwillige mobilisieren.

Der Prozess lässt sich in acht konkrete Schritte unterteilen:

  1. Fachliche Basis schaffen: Nehmen Sie Kontakt zu lokalen Naturschutzgruppen wie dem NABU oder BUND auf. Deren Expertise ist unschätzbar für die Auswahl der richtigen Pflanzen und Standorte.
  2. Ressourcen bündeln: Organisieren Sie eine Sammelbestellung für heimische Sträucher oder Bäume bei einer Baumschule, die Regio-Zertifikate anbietet. Dies senkt die Kosten und sichert die ökologische Qualität.
  3. Fördermittel nutzen: Recherchieren Sie städtische oder kommunale Förderprogramme. Viele deutsche Städte unterstützen Fassaden- oder Dachbegrünungen finanziell.
  4. Bürokratie meistern: Stellen Sie frühzeitig einen Antrag auf Baumpflanzung im öffentlichen Raum (z.B. auf Grünstreifen) bei Ihrer Gemeinde oder Stadtverwaltung.
  5. Zukunftsorientiert planen: Verwenden Sie bei der Auswahl eine Liste klimaresilienter Zukunftsbäume wie Feldahorn, Elsbeere oder Hainbuche, die auch mit veränderten klimatischen Bedingungen zurechtkommen.
  6. Gemeinschaft mobilisieren: Organisieren Sie ein Nachbarschaftstreffen. Präsentieren Sie die Idee der Trittsteinbiotope mit anschaulichem Infomaterial und zeigen Sie die Vorteile für alle auf.
  7. Aktionstag durchführen: Planen Sie die gemeinsame Pflanzaktion mit einer klaren Aufgabenverteilung: Wer gräbt, wer pflanzt, wer wässert, wer sorgt für Verpflegung?
  8. Erfolge sichtbar machen: Dokumentieren Sie die Aktion mit Fotos und laden Sie die Beobachtungen auf Plattformen wie Naturgucker.de hoch. Dies schafft Sichtbarkeit, motiviert und dient als Vorbild für andere Initiativen.

Eine solche Aktion stärkt nicht nur die lokale Biodiversität, sondern auch den sozialen Zusammenhalt in der Nachbarschaft und schafft ein gemeinsames Bewusstsein für den Wert von städtischem Grün.

Wie Sie in 12 Wochen die 8 High-Impact-Handlungen etablieren, die 80% bewirken?

Im naturnahen Gärtnern gilt das Pareto-Prinzip: Etwa 20 % der möglichen Maßnahmen erzielen 80 % der positiven Wirkung für die Biodiversität. Anstatt sich in Details zu verlieren, ist es sinnvoll, sich auf diese „High-Impact“-Handlungen zu konzentrieren. Innerhalb von nur 12 Wochen können Sie diese acht Kernmaßnahmen etablieren und Ihren Garten grundlegend verwandeln.

Makroaufnahme einer Wildbiene auf einer heimischen Blüte, die Pollen sammelt.

Diese acht Handlungen bilden das Fundament eines jeden artenreichen Gartens:

  1. Wildblumen-Insel schaffen: Widmen Sie mindestens 2-5 m² Ihres Gartens einer echten heimischen Wildblumenwiese.
  2. Artgerechte Nisthilfen anbieten: Bauen oder kaufen Sie ein qualitativ hochwertiges Wildbienenhaus (Hartholz, saubere Löcher).
  3. Totholz integrieren: Legen Sie einen Haufen aus Ästen und Zweigen in einer ruhigen Ecke an – ein Hotspot für Käfer, Igel und Wildbienen.
  4. Wasserquelle bereitstellen: Eine flache Schale mit Wasser und einigen Steinen als Landeplatz dient Vögeln und Insekten als Tränke.
  5. Auf Chemie verzichten: Verbannen Sie Pestizide und chemische Dünger vollständig aus Ihrem Garten.
  6. Heimische Pflanzen bevorzugen: Setzen Sie auf heimische Stauden und Gehölze, die perfekt an die lokale Tierwelt angepasst sind.
  7. Stauden über Winter stehen lassen: Verblühte Stängel bieten Überwinterungsplätze und ihre Samen dienen als Vogelfutter.
  8. Flächen entsiegeln: Ersetzen Sie Steine und Pflaster, wo immer möglich, durch Grünflächen. Dies verbessert nicht nur die Artenvielfalt, sondern auch das Mikroklima. Zudem belohnen viele deutsche Gemeinden Entsiegelung mit einer Reduzierung der Niederschlagswassergebühren um bis zu 50 %.

Indem Sie sich auf diese acht Punkte fokussieren, schaffen Sie mit überschaubarem Aufwand ein Maximum an Lebensraum und Nahrungsquellen. Beginnen Sie mit den zwei oder drei Maßnahmen, die Ihnen am leichtesten fallen, und bauen Sie darauf auf.

Ihr 5-Punkte-Aktionsplan: Den eigenen Garten-Hotspot analysieren

  1. Punkte der Interaktion prüfen: Listen Sie alle Bereiche in Ihrem Garten auf, an denen Sie aktiv eingreifen (Rasen, Beete, Hecken, Wege). Wo wird gemäht, gedüngt, geschnitten?
  2. Bestand aufnehmen: Inventarisieren Sie vorhandene Lebensräume. Gibt es bereits eine wilde Ecke, einen alten Baum, eine blühende Staude? Machen Sie Fotos.
  3. Abgleich mit den Zielen: Vergleichen Sie den Ist-Zustand mit den 8 High-Impact-Handlungen. Wo gibt es die größten Lücken (z.B. kein Totholz, keine Wasserstelle)?
  4. Potenziale identifizieren: Wo schlummert ungenutztes Potenzial? Könnte ein Stück Rasen zur Wiese werden? Gibt es eine sonnige Wand für eine Nisthilfe?
  5. Prioritäten festlegen: Wählen Sie die EINE Maßnahme mit dem größten Hebel und dem geringsten Aufwand für den Start aus (z.B. einen Laubhaufen anlegen) und setzen Sie diese um.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ihr Garten ist kein isolierter Raum, sondern ein potenziell lebenswichtiges Trittsteinbiotop im ökologischen Netzwerk Ihrer Region.
  • Qualität vor Quantität: Eine einzige, korrekt gebaute Nisthilfe oder eine kleine Fläche mit heimischen Wildblumen ist wirkungsvoller als viele gut gemeinte, aber falsche Maßnahmen.
  • Weniger ist oft mehr: Eine Wildblumenwiese statt eines englischen Rasens bedeutet weniger Arbeit, weniger Ressourcenverbrauch und ein Vielfaches an Leben.

Wie Sie eine lokale Umweltinitiative starten, die in 12 Monaten sichtbare Ergebnisse liefert

Der wahre Wandel beginnt, wenn die eigene Begeisterung auf andere überspringt. Eine lokale Umweltinitiative, die in der eigenen Nachbarschaft startet, kann innerhalb eines Jahres sichtbare und messbare Erfolge erzielen und eine positive Dynamik erzeugen. Der Schlüssel liegt darin, klein anzufangen, Erfolge sichtbar zu machen und Anreize zur Nachahmung zu schaffen.

Ein hervorragender Hebel hierfür sind Zertifizierungen wie die NABU-Plakette „Vogelfreundlicher Garten“. Ein solches Projekt bietet einen konkreten Rahmen und ein greifbares Ziel. Stellen Sie sich vor, Sie qualifizieren Ihren Garten für diese Auszeichnung. Dies ist nicht nur eine persönliche Bestätigung, sondern auch ein perfekter Anlass, um einen „Tag der offenen Gartentür“ zu organisieren. Sie laden Ihre Nachbarn ein, zeigen ihnen die umgesetzten Maßnahmen – den Totholzhaufen, die Wildblumenwiese, die Vogeltränke – und erklären die positiven Effekte, die Sie beobachten.

Um die Ergebnisse greifbar zu machen, verbinden Sie Ihre Initiative mit einem einfachen Monitoring. Nutzen Sie Bürgerwissenschafts-Plattformen (Citizen Science) wie Naturgucker.de oder iNaturalist. Dokumentieren Sie von Beginn an die Arten, die Sie in Ihrem Garten entdecken. Wenn nach 12 Monaten die Zahl der beobachteten Vogel- und Schmetterlingsarten gestiegen ist, haben Sie einen messbaren Erfolg, den Sie teilen können. Laut einer Anleitung des NABU zu solchen Aktionen motiviert dieser sichtbare Zuwachs an Leben andere Anwohner enorm, ebenfalls aktiv zu werden. Aus einem vogelfreundlichen Garten werden drei, dann zehn – und plötzlich ist ein ganzes Quartier zu einem vernetzten Lebensraum geworden.

Um den Funken überspringen zu lassen, ist es entscheidend, nicht nur zu handeln, sondern Ihre Erfolge zu teilen und andere zu inspirieren.

Beginnen Sie noch heute damit, eine dieser Strategien umzusetzen, und beobachten Sie, wie Ihr Garten zu einem lebendigen Ökosystem wird. Der erste Schritt ist der einfachste: Wählen Sie eine kleine Ecke aus und lassen Sie sie einfach wachsen.

Geschrieben von Lars Becker, Dr. Lars Becker ist promovierter Soziologe und Nachhaltigkeitswissenschaftler mit 12 Jahren Forschungs- und Beratungserfahrung an der Schnittstelle von gesellschaftlichem Wandel, Bürgerbeteiligung und ökologischer Transformation. Er hat an der Freien Universität Berlin zu sozialen Bewegungen geforscht, arbeitet als Senior Researcher bei einem Think Tank für sozial-ökologische Transformation und berät NGOs sowie Kommunen bei der Entwicklung partizipativer Nachhaltigkeitsprojekte.