Veröffentlicht am April 17, 2024

Die Jagd nach 7-10 % Rendite bei Gewerbeimmobilien wird nicht durch die Lage allein gewonnen, sondern durch die Intelligenz des Mietvertrags.

  • Ein 10-Jahres-Vertrag mit einem bonitätsstarken Mieter reduziert den Verwaltungsaufwand drastisch und sichert den Cashflow über einen gesamten Wirtschaftszyklus.
  • Moderne Bewertungskriterien wie ESG-Konformität und Drittverwendungsfähigkeit sind heute entscheidender für die Wertstabilität als traditionelle Faktoren.

Empfehlung: Fokussieren Sie Ihre Due Diligence ebenso stark auf die Mieterbonität und die Vertragsstruktur wie auf das Gebäude selbst, um echte Premium-Renditen zu realisieren.

Für erfahrene Immobilieninvestoren in Deutschland, die ihr Portfolio jenseits der 3-5 % Rendite von Wohnimmobilien skalieren möchten, scheint der Schritt in die Welt der Gewerbeimmobilien logisch. Die Aussicht auf Renditen von 7-10 % ist verlockend, doch viele zögern. Sie hören die üblichen Mantras – „Lage, Lage, Lage“ – und fürchten die Komplexität, die mit Büros, Einzelhandelsflächen oder Logistikhallen einhergeht. Die üblichen Ratschläge kratzen nur an der Oberfläche und lassen die entscheidenden Fragen unbeantwortet: Wie genau sichert man diese höhere Rendite ab? Und welche Risiken sind wirklich geschäftskritisch?

Die Wahrheit ist, dass der entscheidende Hebel für eine überdurchschnittliche Performance nicht allein in den Ziegeln und dem Mörtel liegt. Der wahre Wert und die langfristige Stabilität einer Gewerbeimmobilie als Kapitalanlage werden im Vertragswerk und in der Qualität des Mieters geschmiedet. Es ist weniger ein Spiel der Immobilienspekulation als vielmehr ein Akt strategischer Vertragsintelligenz. Die Fähigkeit, einen Mietvertrag so zu gestalten, dass er den Wert des Objekts steigert und den operativen Aufwand minimiert, ist die eigentliche Kernkompetenz.

Dieser Artikel durchbricht die oberflächlichen Diskussionen. Wir tauchen tief in die Mechanik ein, die hinter einer erfolgreichen Gewerbeimmobilien-Investition steckt. Wir quantifizieren, warum ein 10-Jahres-Vertrag mehr ist als nur „Sicherheit“, analysieren, welche Gewerbetypen zukunftssicher sind, und zeigen auf, wie Sie die Vermietbarkeit und Wertstabilitàt eines Objekts professionell prüfen. Anstatt nur vor Risiken zu warnen, beziffern wir sie und geben Ihnen konkrete Werkzeuge an die Hand, um sie zu managen. Es ist an der Zeit, Gewerbeimmobilien nicht als komplexes Risiko, sondern als kalkulierbare Chance zu begreifen.

Dieser Leitfaden führt Sie durch die entscheidenden strategischen Überlegungen. Er zeigt Ihnen, wie Sie die Spreu vom Weizen trennen und gezielt Objekte identifizieren, die nicht nur eine hohe Rendite versprechen, sondern diese auch langfristig liefern können.

Warum ein 10-Jahres-Gewerbemietvertrag 80% weniger Verwaltungsaufwand bedeutet?

Im Wohnimmobiliensektor sind Investoren an eine hohe Fluktuation gewöhnt: Mieterwechsel, Renovierungen, Neuvermietungen und die damit verbundenen Diskussionen sind an der Tagesordnung. Bei Gewerbeimmobilien dreht sich das Spiel um 180 Grad. Der Schlüssel zu einer passiven und renditestarken Kapitalanlage liegt in der Struktur des Mietvertrags. Ein langfristiger Vertrag über 10 Jahre ist hierbei nicht nur eine Absicherung, sondern ein strategisches Werkzeug zur Maximierung der operativen Effizienz. Während bei Wohnungen ständig Aktivitäten anfallen, reduziert sich der Aufwand bei einem soliden Gewerbemietvertrag auf wenige, planbare Ereignisse pro Jahr.

Die operative Ruhe ist ein direkter finanzieller Vorteil. Eine Studie der IHK München bestätigt, dass Gewerbemietverträge mit 10-jähriger Bindung ohne ordentliches Kündigungsrecht der Standard für professionelle Mieter sind. Für Sie als Investor bedeutet das: keine Maklerkosten für die Mietersuche, keine Inserate, keine unzähligen Besichtigungstermine und keine Unsicherheit über Mietausfälle für die nächste Dekade. Ihr Managementaufwand reduziert sich im Wesentlichen auf die jährliche Nebenkostenabrechnung, die Verwaltung von Indexanpassungen und vielleicht eine oder zwei Objektbegehungen pro Jahr.

Diese Vertragsintelligenz verwandelt ein potenziell arbeitsintensives Asset in eine weitgehend passive Einnahmequelle. Anstatt ständig auf Marktveränderungen und Mieterwünsche reagieren zu müssen, können Sie sich auf die langfristige Wertentwicklung Ihres Portfolios konzentrieren. Die Banken honorieren diese Stabilität ebenfalls mit besseren Finanzierungskonditionen, da der Cashflow für ein Jahrzehnt gesichert ist. Der 10-Jahres-Vertrag ist somit der stärkste Hebel, um nicht nur die Rendite zu sichern, sondern auch die eigene Lebenszeit als Investor zu schützen.

Wie Sie ein Ladenlokal oder Büro auf Vermietbarkeit und Wertstabilität prüfen?

Während bei Wohnimmobilien die Lage oft das alleinige Mantra ist, erfordert die Bewertung von Gewerbeimmobilien einen tieferen, strategischeren Blick. Ein professionelles Wertstabilitäts-Audit geht weit über die bloße Analyse von Passantenfrequenz oder Verkehrsanbindung hinaus. Es prüft die Zukunftsfähigkeit des Objekts in einem sich wandelnden Markt. Zwei entscheidende, oft übersehene Faktoren sind dabei die Drittverwendungsfähigkeit und die ESG-Konformität.

Die Drittverwendungsfähigkeit ist Ihre Versicherung gegen das größte Risiko: den Ausfall Ihres Hauptmieters. Sie beantwortet die Frage: Wie einfach lässt sich die Fläche für einen anderen Mieter aus einer anderen Branche umnutzen? Ein hochspezialisiertes Ladenlokal für einen Juwelier ist weitaus riskanter als eine flexible Fläche, die sich mit geringem Aufwand in ein Büro, eine Praxis oder einen Showroom verwandeln lässt. Je flexibler der Grundriss und die technische Ausstattung, desto wertstabiler ist Ihr Investment.

Flexibler Gewerberaum mit modularer Raumaufteilung für verschiedene Nutzungen

Parallel dazu hat sich die ESG-Konformität (Environmental, Social, Governance) von einem Nischenthema zu einem harten Vermietbarkeitskriterium entwickelt. Große, bonitätsstarke Unternehmen – genau die Mieter, die Sie wollen – haben heute strenge interne Vorgaben bezüglich Nachhaltigkeit und Energieeffizienz. Ein Gebäude, das diese Standards nicht erfüllt, fällt bei der Standortsuche oft von vornherein durchs Raster.

Fallbeispiel: ESG als K.o.-Kriterium

Ein Investor erwarb eine Büroimmobilie in Top-Lage, ignorierte aber die veraltete Heizungs- und Klimatechnik. Bei der Neuvermietung lehnte ein internationaler Konzern das Objekt trotz perfekter Lage ab, da es nicht den internen CO2-Reduktionszielen entsprach. Der Eigentümer musste kostspielig nachrüsten, was zu monatelangem Leerstand und unvorhergesehenen Investitionen führte. Dies zeigt, dass neue Energieeffizienzstandards und die Fähigkeit zur Installation erneuerbarer Energiequellen heute entscheidend für die langfristige Vermietbarkeit sind.

Ein professionelles Audit kombiniert also die klassische Standortanalyse mit diesen modernen, strategischen Faktoren. Nur so stellen Sie sicher, dass Ihr Objekt nicht nur heute, sondern auch in zehn Jahren noch attraktiv für erstklassige Mieter ist.

Büroflächen oder Retail: Welcher Gewerbetyp ist zukunftssicherer ab 2025?

Die Frage, ob man in Büroflächen oder Einzelhandel investieren sollte, war früher eine Frage der persönlichen Präferenz. Heute ist es eine hochstrategische Entscheidung, die von tiefgreifenden Markttrends wie Homeoffice und E-Commerce beeinflusst wird. Eine pauschale Antwort gibt es nicht; der Schlüssel liegt in der Differenzierung und im Erkennen von zukunftssicheren Nischen innerhalb der jeweiligen Asset-Klasse. Anstatt „Büro“ oder „Retail“ als Monolithen zu betrachten, müssen professionelle Investoren die Segmente analysieren, die langfristige Stabilität versprechen.

Die aktuellen Marktdaten zeigen ein komplexes Bild. Während beide Sektoren Preiskorrekturen erfahren haben, stabilisieren sich bestimmte Bereiche deutlich schneller als andere. Eine Analyse des Verbands deutscher Pfandbriefbanken (vdp) liefert hierzu aufschlussreiche Daten:

Renditen und Preisentwicklung verschiedener Gewerbeimmobilienarten Q1 2024
Immobilientyp Renditeentwicklung Q1 2024 Preisentwicklung Zukunftsaussicht
Büroimmobilien +14,2% (Jahressicht) -9,9% (Vorjahresvergleich) Weitere Preiskorrekturen möglich
Einzelhandel +13,4% (Jahressicht) -8,9% (Vorjahresvergleich) Stabilisierung bei Fachmarktprodukten
Logistik/Industrie Steigende Umsätze Stabilisierung Stark nachgefragt
Gesundheitsimmobilien Stabile Erträge Rückläufiges Volumen Demografisch bedingt positiv

Diese Zahlen deuten darauf hin, dass nicht alle Einzelhandels- oder Büroimmobilien gleich sind. Während klassische Innenstadt-Büros unter Druck stehen, sind Logistik- und Industrieimmobilien aufgrund des boomenden Online-Handels stark nachgefragt. Im Einzelhandel zeigen sich vor allem Fachmarktzentren und Nahversorger als extrem resilient. Ebenso gewinnt der Sektor der Gesundheitsimmobilien durch den demografischen Wandel an Bedeutung.

Besonders zukunftssicher erscheinen hybride Modelle, die auf neue gesellschaftliche Bedürfnisse reagieren. Experten sprechen hier von einer neuen Revolution im Markt.

Die ‚Medtail‘-Revolution in Deutschland: Hybrid-Trends, bei denen Gesundheitsdienstleistungen mit Einzelhandel kombiniert werden, zeigen extrem hohe Wert- und Mietstabilität.

– 7 Plus Club, Rendite von Gewerbeimmobilien

Die Entscheidung für oder gegen einen Gewerbetyp ab 2025 hängt also von Ihrer Fähigkeit ab, diese Sub-Trends zu erkennen. Statt auf „Büro“ zu setzen, sollten Sie auf „Büros in technologie- und serviceorientierten Stadtquartieren“ fokussieren. Statt „Retail“ auf „Nahversorgung und Medtail“.

Warum Gewerbe-Leerstand Sie 15.000 € mehr kostet als Wohnungs-Leerstand?

Für Wohninvestoren ist Leerstand ärgerlich. Für Gewerbeinvestoren ist er existenzbedrohend. Der finanzielle Schaden geht weit über die entgangene Kaltmiete hinaus und erreicht schnell eine Dimension, die das gesamte Investment gefährdet. Der Hauptgrund liegt in der unterschiedlichen Umlagefähigkeit der Betriebskosten. Während bei Wohnungen ein Großteil der laufenden Kosten auf den Mieter umgelegt wird, bleiben bei einem leerstehenden Gewerbeobjekt fast alle Kosten am Eigentümer hängen.

Konkret bedeutet das: Grundsteuer, Versicherungen, Wartungsverträge für Aufzüge oder Brandschutzanlagen, Heizung (um Frostschäden zu vermeiden) und oft sogar Kosten für Wachschutz müssen Sie vollständig aus eigener Tasche bezahlen. Rechtsexperten bestätigen, dass bei Gewerbe-Leerstand 100% der nicht umlegbaren Betriebskosten beim Eigentümer verbleiben. Bei einer Fläche von 500 qm können sich diese Kosten schnell auf 1.000 bis 2.000 € pro Monat summieren – zusätzlich zur fehlenden Mieteinnahme. Rechnet man die entgangene Miete von beispielsweise 10.000 € hinzu, entsteht ein monatlicher Negativ-Cashflow von über 12.000 €.

Doch die direkten Kosten sind nur die Spitze des Eisbergs. Langfristiger Leerstand löst eine Kaskade weiterer Probleme aus: Banken bewerten das Objekt neu und erhöhen möglicherweise die Zinsaufschläge, da das Risiko gestiegen ist. Die Attraktivität für potenzielle Neumieter sinkt, da ein leerstehendes Objekt vernachlässigt wirkt. Dies kann einen Teufelskreis aus Preisnachlässen und weiterem Leerstand in Gang setzen. Um dieses Risiko zu managen, ist eine proaktive Bewertung aller potenziellen Kosten unerlässlich.

Checkliste: Die wahren Kosten des Gewerbe-Leerstands bewerten

  1. Fixkosten ohne Umlage: Erfassen Sie alle nicht umlegbaren Kosten wie Grundsteuer B, Versicherungspolicen und Gebühren.
  2. Instandhaltung & Sicherheit: Kalkulieren Sie Ausgaben für notwendige Wartungen (z.B. Heizung, Aufzug) und eventuell erforderlichen Wachschutz.
  3. Finanzierungskosten: Prüfen Sie Ihren Kreditvertrag auf Klauseln zu Zinsaufschlägen bei signifikant erhöhtem Leerstandsrisiko.
  4. Entgangene variable Einnahmen: Berücksichtigen Sie den Verlust potenzieller Umsatzmieten und Indexanpassungen, die im Vertrag vereinbart waren.
  5. Portfolio-Risiko: Bewerten Sie, ob der Leerstand einer einzelnen Immobilie die Bonitätsbewertung Ihres gesamten Portfolios durch die Bank gefährden könnte.

Die enorme finanzielle Last von Gewerbe-Leerstand unterstreicht die überragende Bedeutung der Mieterbonität und der langfristigen Vertragsbindung. Eine Investition in die sorgfältige Auswahl des Mieters ist die beste Versicherung gegen dieses Szenario.

Wann von Wohn- zu Gewerbeimmobilien wechseln: Nach 2 oder 5 Objekten?

Die Frage nach dem perfekten Zeitpunkt für den Wechsel von Wohn- zu Gewerbeimmobilien ist weniger eine Frage der Anzahl der bereits gehaltenen Objekte als vielmehr eine Frage des verfügbaren Kapitals, der Risikobereitschaft und der Professionalität. Der Sprung in die gewerbliche Asset-Klasse ist kein linearer Schritt, sondern ein strategischer Quantensprung, der eine andere Herangehensweise erfordert. Es geht nicht darum, „noch eine Immobilie“ zu kaufen, sondern darum, in eine völlig neue Liga aufzusteigen.

Der entscheidende Faktor ist oft die finanzielle Eintrittsbarriere. Während man eine Eigentumswohnung bereits mit einem Eigenkapital von 50.000 € finanzieren kann, bewegt man sich bei Gewerbeimmobilien in anderen Sphären. Insbesondere im attraktiven Off-Market-Bereich, wo die besten Deals mit bonitätsstarken Mietern zu finden sind, sind die Ticketgrößen erheblich. So wird geschätzt, dass gute Offmarket-Gewerbeimmobilien ab einem Investitionsvolumen von 1 Million Euro beginnen. Dies erfordert ein Eigenkapital von mindestens 200.000 bis 300.000 Euro, eine Summe, die die meisten Investoren erst nach dem erfolgreichen Verkauf mehrerer Wohnimmobilien oder durch erhebliche andere Kapitalquellen aufbringen können.

Strategische Portfolioübersicht mit verschiedenen Immobilientypen

Der Wechsel ist also weniger an die Zahl „2 oder 5 Objekte“ gebunden, sondern an das Erreichen einer bestimmten finanziellen und mentalen Reife. Sie sollten den Wechsel in Betracht ziehen, wenn Sie:

  • Über das notwendige Eigenkapital verfügen, um in der relevanten Größenordnung agieren zu können.
  • Bereit sind, eine tiefere Due Diligence durchzuführen, die weit über eine Standard-Wohnungsbesichtigung hinausgeht.
  • Die Denkweise von einem „Vermieter“ zu einem „Asset Manager“ ändern können, der Verträge, Bilanzen und Marktzyklen analysiert.

Der richtige Zeitpunkt ist gekommen, wenn Ihr Wunsch nach höheren, passiveren Einnahmen größer ist als Ihre Scheu vor der damit verbundenen, höheren Komplexität.

Wie Sie in 6 Wochen die Wohnung finden, die 5% Rendite bei 95% Vermietungsquote bringt?

Die Suche nach einer renditestarken Wohnung ist für viele Investoren ein Vollzeitjob. Man analysiert Dutzende von Exposés, führt unzählige Besichtigungen durch und verhandelt hart, um am Ende vielleicht eine Bruttorendite von 5 % zu erzielen – bei einer realistischen Vermietungsquote von 95 % über die Jahre. Dieser Ansatz ist respektabel, aber für Investoren, die ihr Vermögen wirklich skalieren wollen, ist er oft zu langsam und zu arbeitsintensiv. Die eigentliche Frage lautet daher nicht, *wie* man die 5-%-Wohnung findet, sondern *ob* dies der effizienteste Einsatz von Kapital und Zeit ist.

Der entscheidende Denkfehler vieler erfahrener Wohninvestoren ist die Fokussierung auf die Optimierung innerhalb eines renditeschwachen Systems. Stattdessen sollten sie einen Schritt zurücktreten und einen Rendite-Arbitrage zwischen verschiedenen Asset-Klassen in Betracht ziehen. Während der Wohnungsmarkt von hoher Konkurrenz und Preisdruck geprägt ist, bietet der Gewerbeimmobilienmarkt strukturell höhere Renditechancen. Es ist keine Seltenheit, dass Gewerbeimmobilien typischerweise 7-10% Rendite gegenüber 5% bei Wohnimmobilien erzielen. Dieser Unterschied von 2-5 Prozentpunkten mag auf dem Papier gering erscheinen, hat aber über die Laufzeit des Investments einen gewaltigen Hebeleffekt.

Fallstudie: Der Mindset-Wechsel von 95 % zu 100 %

Ein Investor, der jahrelang ein Portfolio aus 10 Wohnungen mit einer durchschnittlichen Vermietungsquote von 95 % verwaltete, wechselte zu Gewerbeimmobilien. Sein erstes Objekt war eine Praxis, vermietet an eine etablierte Ärztegemeinschaft mit einem 15-Jahres-Vertrag. Sein Ziel war nicht mehr, die Leerstandsquote zu „managen“, sondern sie durch die richtige Mieterauswahl und Vertragsgestaltung komplett zu eliminieren. Das Ziel wurde von „95 % sind gut“ zu „100 % über 10-15 Jahre sind das Minimum“. Diese Änderung der Denkweise führte zu einem vollständig passiven und kalkulierbaren Einkommensstrom.

Anstatt also sechs Wochen in die Jagd nach der nächsten 5-%-Wohnung zu investieren, könnte ein strategisch denkender Investor diese Zeit nutzen, um sein Wissen über den Gewerbemarkt zu vertiefen. Der Aufwand verlagert sich von der Masse der Besichtigungen hin zur Qualität einer einzigen, tiefgehenden Due Diligence für ein Gewerbeobjekt, das potenziell die Rendite von zwei oder drei Wohnungen in sich vereint.

Technologie oder Gesundheit: Welcher Sektor liefert höhere Renditen bis 2035?

Innerhalb des Gewerbeimmobilienmarktes gibt es Mikromärkte mit völlig unterschiedlichen Risiko-Rendite-Profilen. Für strategische Investoren, die bis 2035 planen, ist die Auswahl des richtigen Sektors entscheidend. Zwei der meistdiskutierten Bereiche sind Technologie (z.B. Rechenzentren, flexible Büros für Tech-Start-ups) und Gesundheit (z.B. Ärztehäuser, Pflegeimmobilien, Labore). Während der Technologiesektor mit hohem Wachstum und potenziell hohen Renditen lockt, ist er auch anfälliger für disruptive Veränderungen und Konjunkturzyklen.

Der Gesundheitssektor hingegen spielt seine Stärken in einem anderen Bereich aus: der antizyklischen Stabilität. Die Nachfrage nach Gesundheitsdienstleistungen ist weitgehend unabhängig von der wirtschaftlichen Lage. Menschen werden immer Ärzte brauchen, und der demografische Wandel in Deutschland sorgt für eine strukturell steigende Nachfrage nach Pflege- und Betreuungseinrichtungen. Diese fundamentale Nachfrage macht Gesundheitsimmobilien zu einem extrem defensiven und wertstabilen Investment.

Aktuelle Marktanalysen bestätigen diesen Trend. Selbst in einem unsicheren Marktumfeld wie 2024 zeigen sich Gesundheitsimmobilien als Fels in der Brandung. Laut einer Analyse von Savills gehören Gesundheitsimmobilien zu den Segmenten mit stabilen Erträgen, während andere Bereiche mit Preisvolatilität zu kämpfen haben. Die Mieter – Ärzte, Klinikbetreiber, Pflegeheime – sind oft an langfristige Verträge gebunden und verfügen über eine ausgezeichnete Bonität, da ihre Geschäftsmodelle durch das Gesundheitssystem abgesichert sind.

Für Investoren, deren Priorität auf Kapitalerhalt und einem kalkulierbaren, langfristigen Cashflow liegt, ist der Gesundheitssektor daher bis 2035 die klar sicherere Wahl. Während der Technologiesektor höhere Spitzenrenditen versprechen mag, bietet der Gesundheitssektor eine überlegene risikoadjustierte Rendite. Die Investition in ein modernes Ärztehaus ist somit weniger eine Wette auf den nächsten Tech-Boom, sondern eine Investition in einen der stabilsten Megatrends unserer Gesellschaft.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Mietvertrag ist der wichtigste Werttreiber: Ein 10-Jahres-Vertrag mit einem bonitätsstarken Mieter ist wertvoller als die Immobilie selbst.
  • Moderne Due Diligence ist entscheidend: Faktoren wie Drittverwendungsfähigkeit und ESG-Konformität bestimmen heute die langfristige Wertstabilität eines Objekts.
  • Das Leerstandsrisiko ist nicht trivial: Die nicht umlagefähigen Betriebskosten bei Gewerbe-Leerstand können den Cashflow schnell ins Negative kehren und erfordern eine proaktive Risikobewertung.

Jenseits der Ferienvermietung: Warum der stabile Gewerbevertrag gewinnt

Die Idee, mit einer Ferienwohnung 2.500 € statt 1.200 € mit einer klassischen Vermietung zu erzielen, klingt auf den ersten Blick verlockend. Dieses Modell verspricht hohe Einnahmen, birgt aber auch einen enormen operativen Aufwand und erhebliche Risiken. Die Ferienvermietung ist kein passives Investment, sondern ein aktives Hotelgewerbe im Kleinformat: ständige Kommunikation mit Gästen, Organisation von Reinigung und Schlüsselübergaben, Management von Buchungsplattformen und eine hohe Abhängigkeit von saisonalen Schwankungen und positiven Bewertungen.

Für einen Investor, der nach finanziellem Wachstum bei gleichzeitig geringerem Zeitaufwand strebt, stellt der professionell gemanagte Gewerbemietvertrag das genaue Gegenteil dar. Statt täglicher Hektik bietet er strategische Ruhe. Die Einnahmen mögen auf den Monat gerechnet geringfügig niedriger sein als bei einer voll ausgelasteten Ferienwohnung in der Hochsaison, aber sie sind über 120 Monate hinweg vertraglich garantiert und indexiert. Es gibt keine Nebensaison, keine schlechten Bewertungen, die den Umsatz einbrechen lassen, und keine regulatorischen Risiken wie Zweckentfremdungsverbote, die das gesamte Geschäftsmodell über Nacht zunichtemachen können.

Der fundamentale Unterschied liegt in der Kalkulierbarkeit und der Skalierbarkeit. Das Management von fünf Ferienwohnungen ist ein Vollzeitjob. Das Management von fünf Gewerbeimmobilien mit 10-Jahres-Verträgen beschränkt sich auf wenige Stunden pro Jahr. Banken sehen diesen Unterschied ebenfalls: Während die Finanzierung von Ferienimmobilien oft kritisch geprüft wird, gilt ein Portfolio aus Gewerbeimmobilien mit bonitätsstarken Langzeitmietern als erstklassige Sicherheit. Der Weg zu echtem passivem Einkommen und finanziellem Wohlstand führt daher nicht über den arbeitsintensiven Mikrokosmos der Ferienvermietung, sondern über die strategische Makroperspektive solider Gewerbeinvestments.

Analysieren Sie Ihr nächstes potenzielles Gewerbeobjekt nicht nur nach seiner Lage, sondern mit der gleichen Akribie nach seiner Vertrags- und Mieterqualität. Nur so können Sie die Renditeziele von 7-10 % nachhaltig erreichen und Ihr Portfolio auf die nächste Stufe heben.

Geschrieben von Michael Hoffmann, Michael Hoffmann ist Immobilienwirt (IHK) und spezialisierter Gewerbe- und Wohnimmobilien-Investor mit einem Portfolio von 18 Einheiten und 17 Jahren praktischer Investmenterfahrung. Als Gründer einer Investorenberatung begleitet er Privatanleger bei der Auswahl, Finanzierung und Verwaltung renditestarker Immobilieninvestments im deutschen Markt.